FDA setzt bei Neuzulassungen auf Standard mit nur einer Studie
Die FDA wird für die Zulassung neuartiger Arzneimittel künftig standardmäßig eine einzelne pivotale klinische Studie verlangen und damit den jahrzehntelangen Zwei‑Studien‑Ansatz ablösen. Ziel ist es, Entwicklungszeit und -kosten zu senken und Innovation zu beschleunigen, während über Post‑Market‑Daten robuste Evidenz aufgebaut werden soll.
Die FDA hat angekündigt, dass künftig eine einzelne pivotale klinische Studie die Standardanforderung für die Zulassung neuartiger Arzneimittel sein wird – ein Kurswechsel weg von der jahrzehntelangen Praxis der Behörde, sich auf zwei angemessene und gut kontrollierte Studien zu stützen. Der neue Standard stellt unter der Führung von Commissioner Marty Makary eine bedeutende politische Änderung dar.
Die Strategie wurde in einem Leitartikel beschrieben, den Makary und Vinay Prasad, Direktor des FDA Center for Biologics Evaluation and Research (CBER), verfasst haben und der im New England Journal of Medicine veröffentlicht wurde. „Künftig … wird eine angemessene und gut kontrollierte Studie, kombiniert mit bestätigenden Evidenzen, als Grundlage für die Marktzulassung neuartiger Produkte dienen“, schreiben die Autoren und weisen darauf hin, dass die Reform synchron mit der Post‑Market‑Initiative der Behörde eingeführt wird, um zu allen Arzneimitteln robuste Daten zu erheben.
Ein zentraler Treiber für den Politikwechsel sind die stark steigenden Kosten der Arzneimittelentwicklung. Mit der Umstellung auf die Vorgabe nur einer Studie will die FDA den finanziellen Druck verringern, den viele Sponsoren als Begründung für hohe Einführungspreise anführen. „Die Senkung der Kapitalkosten für Arzneimittelentwickler könnte ein dauerhaftes Argument zur Rechtfertigung exorbitanter und steigender Arzneimittelpreise für die Amerikaner im Alltag entkräften – die belastenden Kosten der [R&D]“, schreiben Makary und Prasad in dem Leitartikel.
Die Behörde argumentiert, dass Fortschritte in der Präzisionsmedizin und in der wissenschaftlichen Erkenntnisgewinnung – einschließlich Genomsequenzierung und molekularer Modellierung – es Forschenden ermöglichen, Wechselwirkungen zwischen Arzneimittel und Körper auf molekularer Ebene zu verstehen, und damit biologische Evidenz liefern, die eine zweite Studie ersetzen kann. Historisch verlangte die FDA zwei Studien, weil die Arzneimittelentwicklung eine „black box“ war: Wenn ein Medikament in zwei separaten, identischen Tests zweimal wirkte, belegte dies, dass das Ergebnis nicht nur ein statistischer Zufallstreffer war.
Derzeit ist eine einzelne pivotale Studie für einige Zulassungsanträge bereits eine Option, etwa für Krebsmedikamente oder wenn es unpraktikabel wäre, zwei Studien durchzuführen, sodass die Behörde in diesem Bereich über Flexibilität verfügt. Im Jahr 2020 stützte sich laut einer 2022 veröffentlichten JAMA-Analyse bereits mehr als die Hälfte der zugelassenen Arzneimittel auf eine einzige pivotale Studie. Makary und Prasad argumentieren jedoch, dass unter Sponsoren weiterhin Unklarheit darüber bestehe, unter welchen Umständen eine einzelne Studie ausreichend ist.
Bei breiter Umsetzung könnte die Änderung Entwicklungszeitpläne straffen, Kosten senken und die Evidenzstandards neu ausrichten – insbesondere bei Therapien, die ungedeckte medizinische Bedürfnisse adressieren. Analysten sehen potenzielle Vorteile für Biotech‑Programme in der mittleren Entwicklungsphase in Bereichen wie Adipositas und chronischen Erkrankungen, die derzeit breit erforscht werden.
Makary und Prasad zufolge könnte die Änderung die Standards sogar erhöhen, da der einzelnen Studie größere Aufmerksamkeit gewidmet werde. Der Übergang hat Verschiebungen in der internen Struktur der Behörde ausgelöst – bemerkenswert ist insbesondere der Abgang des langjährigen FDA‑Mitarbeiters Richard Pazdur, der sich Berichten zufolge gegen den Vorschlag stellt. Trotz dieser Reibungen betont die Behörde, dass der Schritt die Evidenzstandards fokussiere, statt sie zu lockern.
Der Schritt ist der jüngste in einer Reihe von Initiativen, die darauf abzielen, die Zulassung neuer Arzneimittel zu beschleunigen und bürokratische Hürden für Arzneimittelentwickler abzubauen. Einige Beobachter befürchten, dass dadurch Standards untergraben werden könnten, die sicherstellen sollen, dass neue Therapeutika sicher und wirksam sind. Einige Expertinnen und Experten haben die Notwendigkeit einer Initiative infrage gestellt, die zu einer pauschalen Absenkung der Anforderungen an den Nachweis von Sicherheit und Wirksamkeit führen könnte.