Selpercatinib zeigt deutlichen Überlebensvorteil bei frühem RET-Fusions-positivem Lungenkrebs
Die Phase-3-Studie LIBRETTO-432 erreichte ihren primären Endpunkt: Als adjuvante Therapie verbesserte selpercatinib das ereignisfreie Überleben bei frühem (Stadium II–IIIA) RET-Fusions-positivem NSCLC im Vergleich zu Placebo statistisch signifikant und klinisch relevant. Die Gesamtüberlebensdaten waren zum Analysezeitpunkt noch unreif, zeigten jedoch einen günstigen Trend.
Topline-Daten wurden aus einer Phase-3-Studie bekannt gegeben, in der selpercatinib als adjuvante Therapie bei Patient:innen mit frühem (II–IIIA) RET-Fusions-positivem nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC) untersucht wurde. Der primäre Endpunkt wurde erreicht: Mit selpercatinib behandelte Patient:innen zeigten gegenüber Placebo eine statistisch signifikante und klinisch bedeutsame Verbesserung des ereignisfreien Überlebens.
Selpercatinib ist ein hochselektiver und potenter RET-Kinase-Inhibitor. Es wurde unter dem Markennamen Retevmo zur Behandlung erwachsener Patient:innen mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem NSCLC mit einer RET-Genfusion zugelassen.
Die randomisierte, doppelblinde, Placebo-kontrollierte Phase-3-Studie LIBRETTO-432 (ClinicalTrials.gov Identifier: NCT04819100) untersuchte Sicherheit und Wirksamkeit von selpercatinib bei 151 eingeschlossenen Patient:innen mit RET-Fusions-positivem NSCLC nach Abschluss einer definitiven Radiotherapie oder Operation mit kurativer Intention sowie weiterer adjuvanter Therapie, falls indiziert. Die Studie ist zudem die erste randomisierte Phase-3-Studie, die in dieser Population einen selektiven RET-Kinase-Inhibitor im adjuvanten Setting bewertet.
Studienteilnehmende wurden im Verhältnis 1:1 randomisiert und erhielten als adjuvante Therapie entweder selpercatinib oder Placebo. Der primäre Endpunkt war das ereignisfreie Überleben (EFS), beurteilt durch die Prüfärzt:innen in der primären Analysepopulation (Patient:innen mit RET-Fusions-positivem NSCLC im Stadium II–IIIA).
Während die Gesamtüberlebensdaten (sekundärer Endpunkt) zum Zeitpunkt der Analyse noch unreif waren, wurde ein günstiger Trend beobachtet. Die begrenzte Anzahl an Überlebensereignissen verhinderte eine formale Bewertung. Das Sicherheitsprofil von selpercatinib war in der Studie weitgehend mit dem etablierten Toxizitätsprofil des Wirkstoffs vergleichbar.
Für die Teilnahme an LIBRETTO-432 mussten Patient:innen mindestens 18 Jahre alt sein und eine Diagnose eines histologisch bestätigten NSCLC im Stadium IB, II oder IIIA mit einer aktivierenden RET-Genfusion im Tumor aufweisen, basierend auf Polymerase-Kettenreaktion (polymerase chain reaction), Next-Generation-Sequencing oder einem anderen zugelassenen Molekulartest. Zudem mussten die Patient:innen eine definitive lokoregionale Therapie mit kurativer Intention erhalten haben und entweder die verfügbaren antineoplastischen Behandlungen erhalten haben oder für diese nicht geeignet gewesen sein.
Gemäß Studiendesign waren zwischen Abschluss der definitiven Therapie und Randomisierung maximal 10 Wochen erlaubt, wenn keine Chemotherapie gegeben wurde, und 26 Wochen, wenn eine adjuvante Chemotherapie verabreicht worden war. Erforderlich waren außerdem eine ausreichende hämatologische, hepatische und renale Funktion sowie ein ECOG-Performance-Status von 0 oder 1. Wenn Patient:innen zusätzliche onkogene Treiber aufwiesen, wurden sie von der Studienteilnahme ausgeschlossen.
Der Executive Vice President und Präsident von Lilly Oncology erklärte, die Ergebnisse von LIBRETTO-432 zeigten eine Effektgröße, die mit den eindrucksvollsten Daten zur zielgerichteten adjuvanten Therapie beim Lungenkrebs im Einklang stehe. Das Unternehmen merkte an, dass Krebsmedikamente ihre größte Wirkung entfalten können, wenn sie früh im Verlauf der Behandlung eines/einer Patient:in eingesetzt werden.
Der Wirkstoff ist derzeit für 4 Indikationen zugelassen: erwachsene Patient:innen mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem NSCLC mit einer RET-Genfusion, nachgewiesen durch einen von der FDA zugelassenen Test; erwachsene und pädiatrische Patient:innen ab 2 Jahren mit fortgeschrittenem oder metastasiertem medullärem Schilddrüsenkarzinom mit einer RET-Mutation, nachgewiesen durch einen von der FDA zugelassenen Test, die eine systemische Therapie benötigen; erwachsene und pädiatrische Patient:innen ab 2 Jahren mit fortgeschrittenem oder metastasiertem Schilddrüsenkarzinom mit einer RET-Genfusion, nachgewiesen durch einen von der FDA zugelassenen Test, die eine systemische Therapie benötigen und refraktär gegenüber radioaktivem Iod sind; sowie erwachsene und pädiatrische Patient:innen ab 2 Jahren mit lokal fortgeschrittenen oder metastasierten soliden Tumoren mit einer RET-Genfusion, nachgewiesen durch einen von der FDA zugelassenen Test, die unter oder nach einer vorherigen systemischen Behandlung progredient waren oder für die keine zufriedenstellenden alternativen Behandlungsoptionen bestehen.
Die vollständigen Ergebnisse werden auf einem kommenden medizinischen Kongress vorgestellt und bei einer peer-reviewten Fachzeitschrift eingereicht. Detaillierte Ergebnisse der Studie werden zudem mit globalen Zulassungsbehörden erörtert werden.