Indiens Boom bei Abnehmmedikamenten legt Regulierungslücken offen – Semaglutid-Patent läuft aus

Eine Untersuchung zeigt, dass die verschreibungspflichtigen Abnehmmedikamente Mounjaro und Wegovy in Indien häufig ohne Rezept oder die vorgeschriebene fachärztliche Kontrolle erhältlich sind. Dies geschieht ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, an dem semaglutide im nächsten Monat aus dem Patentschutz fällt und die Preise voraussichtlich um bis zu 70 Prozent sinken werden.

Eine Untersuchung ergab, dass die verschreibungspflichtigen Medikamente zur Gewichtsreduktion Mounjaro und Wegovy in Indien ohne angemessene medizinische Kontrolle verkauft werden, obwohl die Vorschriften Facharztverordnungen vorschreiben. Die Ergebnisse kommen zu einem Zeitpunkt, an dem semaglutide – der Wirkstoff in Wegovy und in Ozempic, einem Diabetesmedikament, das häufig off-label zur Gewichtsabnahme eingesetzt wird – im kommenden Monat in Indien aus dem Patentschutz fällt.

Indien steuert auf eine Adipositas-Krise zu, von der 25,4 crore Menschen betroffen sind, die als adipös eingestuft werden, sowie weitere 10,1 crore Menschen mit auffälligen Blutzuckerwerten. Die Einführung von Mounjaro und Wegovy im vergangenen Jahr löste eine stark steigende Nachfrage aus; Mounjaro, das im März 2025 in Indien auf den Markt kam, ist bereits zum meistverkauften Medikament des Landes geworden.

Zunehmende Hinweise deuten darauf hin, dass der Boom zumindest teilweise durch Selbstverordnung angetrieben wird. In einem Land, in dem selbst verschreibungspflichtige Arzneimittel häufig ohne Kontrolle abgegeben werden, scheint der Wunsch nach schnellen Lösungen zur Gewichtsabnahme der regulatorischen Aufsicht davonzulaufen.

Es wird erwartet, dass die Preise um bis zu 70 Prozent sinken, wenn inländische Hersteller generische Versionen von semaglutide auf den Markt bringen. Inzwischen wurde in den Vereinigten Staaten bereits eine Tablettenform von Wegovy eingeführt, und ihr Eintritt in den indischen Markt scheint unmittelbar bevorzustehen.

Die Untersuchung zeigte, dass der Zugang zu diesen stark beachteten Adipositas-Medikamenten selbst noch vor dem erwarteten Preissturz alarmierend einfach ist. Nach indischen Arzneimittelvorschriften ist kein Medikament – nicht einmal paracetamol – formal für den Verkauf ohne Rezept zugelassen. In der Praxis zeichnet die Durchsetzung jedoch oft ein anderes Bild.

Es ist allgemein bekannt, dass Kundinnen und Kunden in eine Apotheke in der Nachbarschaft gehen und verschreibungspflichtige Medikamente kaufen können, ohne ein ärztliches Rezept vorzuzeigen. Der Aufstieg von Online-Apothekenplattformen hat den Prozess noch reibungsloser gemacht und potente Medikamente nur wenige Klicks entfernt verfügbar gemacht.

Die Untersuchung konnte Mounjaro – hergestellt von Eli Lilly und mit dem Wirkstoff tirzepatide – ohne Schwierigkeiten bei Apotheken vor Ort sowie über eine Online-Plattform für Gewichtsabnahme erwerben. Sowohl Mounjaro als auch der Konkurrent Wegovy wurden über zwei große E-Pharmacies, Tata 1mg und Apollo Pharmacy, bezogen, ohne dass eine ärztliche Konsultation oder die vor Behandlungsbeginn von Expertinnen und Experten dringend empfohlenen Tests durchgeführt wurden.

Die indischen Zulassungsauflagen sind eindeutig: Mounjaro und Novo Nordisk's Wegovy dürfen nur auf Rezept einer Endokrinologin/eines Endokrinologen oder einer Fachärztin/eines Facharztes für Innere Medizin abgegeben werden. Beide Arzneimittel werden als wöchentliche Injektionen verabreicht und erfordern medizinische Überwachung. Dennoch stellte die Untersuchung fest, dass sie mit kaum Nachfragen verkauft werden.

Fünf Apotheken wurden mit der Bitte um Mounjaro oder Wegovy kontaktiert; vier erklärten sich bereit, Mounjaro innerhalb weniger Stunden nach Bestellung zu liefern, und keine verlangte ein Rezept – ein Hinweis darauf, dass Mounjaro die Apotheken über eine bessere Lieferkette erreicht. Eine Apotheke bot sogar 10 Prozent Rabatt an, eine Praxis, die offenbar zunehmend verbreitet ist, da Apotheken solche Medikamente bewerben und um Kundschaft konkurrieren.

Das Medikament konnte in zwei Apotheken problemlos ohne ärztliches Rezept gekauft werden, nachdem die Bestellung einige Stunden zuvor telefonisch aufgegeben worden war.

Auch eine in Ahmedabad ansässige Online-Plattform, Aktive, die in sozialen Medien eine „einzigartige Kombination aus Medikamenten und personalisierter Unterstützung“ bewirbt, wurde getestet. Durch bewusst falsche Angaben und die unwahre Angabe von Adipositas wurde das Medikament nach Zahlung sofort angeboten. Es folgte ein kurzer Anruf durch eine Mitarbeiterin/einen Mitarbeiter des Kundenservice, jedoch fand keine Konsultation mit einer Ärztin/einem Arzt – weder Fachärztin/Facharzt noch allgemein – statt; es wurde allerdings anschließend ein Online-Rezept von einem Arzt ausgestellt, dessen Qualifikation ihn als Allgemeinchirurgen auswies. Das Paket traf innerhalb weniger Stunden ein.

Die Medikamente wurden zudem über Tata1mg und Apollo Pharmacy beschafft, nachdem kurze Anrufe von Personen eingingen, die sich als Ärztinnen/Ärzte ausgaben und rasch Rezepte genau für die Medikamente ausstellten, die bereits bestellt worden waren. All dies innerhalb weniger Stunden nach Aufgabe der Bestellung.

Die finanzielle Hürde ist keineswegs gering. Eine monatliche Einstiegsdosis von Mounjaro kostet rund Rs 13,125, während Wegovy bei etwa Rs 10,850 liegt. Für Medikamente, die nicht als essenziell eingestuft werden, sind das erhebliche Summen.

Am beunruhigendsten ist jedoch nicht das Ausmaß der Nachfrage. Es ist die Leichtigkeit, mit der solche wirksamen Medikamente erhältlich sind. Ohne strengere Aufsicht droht dem Land ein Anstieg von Patientinnen und Patienten, die mit den langfristigen Nebenwirkungen dieser potenten Therapien zu kämpfen haben.

Related Entities

Related Articles

References

  1. The skinny-pen tsunami: India on the verge of a weight-loss free-for-all · www.indiatoday.in
  2. Semaglutide vs tirzepatide in patients with obesity and HFpEF: a report from a global ... · www.researchgate.net
  3. The skinny-pen tsunami: India on the verge of a weight-loss free-for-all · www.indiatoday.in