Europäische Biotech-Unternehmen treiben Immuntherapie der nächsten Generation über PD-1/PD-L1 hinaus voran
Europäische Biotech-Unternehmen erforschen neue Immuntherapie-Ziele jenseits von PD-1/PD-L1, darunter BTLA, TIGIT und SLAMF6. Forscher der Universität Lund entdeckten einen SLAMF6-vermittelten Mechanismus der Immunabwehr. BioNTech und GenMab treiben durch strategische Partnerschaften die Entwicklung von Immun-Checkpoint-Inhibitoren der nächsten Generation und bispezifischen Antikörpern voran.
Europäische Biotech-Unternehmen erforschen neue therapeutische Angriffspunkte auf T-Zellen, um Arzneimittelresistenzen zu überwinden und klinische Ergebnisse bei Krebs zu verbessern. Forscher haben mehrere neue Targets identifiziert, die Resistenzen überwinden und Immunantworten von T-Zellen wiederherstellen könnten, darunter BTLA, B7-H3, CD112R, GITR, ICOS, IDO-1, NKG2A, TIGIT, TIM-3 und VISTA. Diese Erkenntnisse ebnen den Weg für potenzielle neue Behandlungen, die als Monotherapien oder – wahrscheinlicher – in Kombination mit bestehenden Immun-Checkpoint-Inhibitoren eingesetzt werden könnten.
Forscher der Universität Lund in Schweden haben einen neuen, durch das Signalmolekül SLAMF6 (signaling lymphocytic activation molecule 6, auch bekannt als Ly108) regulierten Mechanismus der Immunabwehr entdeckt. SLAMF6-Rezeptoren werden hauptsächlich auf Vorläufer- oder stammzellähnlichen erschöpften T-Zellen exprimiert und weisen sowohl aktivierende als auch hemmende Funktionen auf, die in der Immuntherapie wirksam genutzt werden könnten. Vorläufige Daten mit SLAMF6-zielgerichteten monoklonalen Antikörpern haben Verbesserungen der funktionellen Integrität von T-Zellen in vivo und in Mausmodellen gezeigt.
Mehrere europäische Biotech-Unternehmen evaluieren Immun-Checkpoint-Inhibitoren der nächsten Generation, die auf verschiedene Signalwege abzielen. BioNTech (Deutschland) entwickelt eine Reihe von Immunmodulatoren, darunter Gotistobart (optimierter Fc-anti-CTLA4), Pumitamig (anti-PD-L1/anti-VEGF-A), BNT314 (anti-4-1BB/anti-EpCAM), BNT317 (anti-PD-1/CD39) und BNT3213 (anti-TIGIT/OVRIG) als bispezifische Antikörper. Das Unternehmen evaluiert zudem HER2, TROP2, B7H3, HER3, EGFRxHER3 sowie ADCs als Kombinationspartner für Krebstherapien. BioNTech hat Beziehungen zu zahlreichen pharmazeutischen Kooperationspartnern aufgebaut, darunter BMS, Duality Biologics, Fosun Pharma, Genentech, Genmab, MediLink, OncoC4, Pfizer und Regeneron.
GenMab (Dänemark), gegründet 1999, hat ein breites Spektrum an antikörperbasierten Therapieformaten entwickelt, darunter bispezifische Antikörper, ADCs, immunmodulierende Antikörper und andere Modalitäten der nächsten Generation. Das Unternehmen setzt strategisch auf neuartige Wirkstoffkombinationen, darunter ICIs mit Immunmodulatoren wie TIGIT und LAG-3. Im Jahr 2025 stellte es die Entwicklung bestimmter Programme ein.
Zu den führenden kommerziellen ICI-Produkten gehören Keytruda (Pembrolizumab), Opdivo (Nivolumab), Tecentriq (Atezolizumab) und Imfinzi (Durvalumab), die gemeinsam den Großteil der weltweiten ICI-Umsätze ausmachen. Führende Pharmaunternehmen bauen ihre onkologischen Pipelines weiterhin durch strategische Kooperationen und Übernahmen aus. So erwarb BioNTech beispielsweise Biotheus, um die vollständigen globalen Rechte an BNT327/PM8002 (PD-L1 × VEGF-A bispezifisch) zu erhalten, und ging eine globale strategische Partnerschaft mit BMS zur gemeinsamen Entwicklung und Vermarktung von BNT327 ein. Im Oktober 2024 unterzeichneten AbbVie und EvolveImmune Therapeutics eine Kooperations- und Optionslizenzvereinbarung zur Entwicklung multispezifischer T-Zell-aktivierender Antikörper in der Onkologie.