Früher Beginn einer ICI-induzierten Myokarditis mit höherem Sterberisiko verbunden
Eine retrospektive Studie zeigte, dass eine innerhalb des ersten Monats nach Beginn von Immuncheckpoint-Inhibitoren auftretende Myokarditis mit einem höheren Sterberisiko verbunden war. In der Analyse wurden 4.635 Fälle in VigiBase identifiziert.
Eine durch Immuncheckpoint-Inhibitoren (immune checkpoint inhibitors, ICI) induzierte Myokarditis innerhalb des ersten Monats nach Behandlungsbeginn schien bei Krebspatienten mit einem höheren Risiko verbunden zu sein, an dieser Erkrankung zu sterben. Dies geht aus den Ergebnissen einer retrospektiven Studie hervor, die auf der Jahrestagung der American Association for Cancer Research vorgestellt wurden. Patienten, bei denen sich innerhalb eines Monats nach Beginn einer Therapie mit Immuncheckpoint-Inhibitoren eine Myokarditis entwickelte, hatten offenbar ein 2,6-fach höheres Risiko für einen tödlichen Ausgang als Patienten mit Beginn im Zeitraum von 1 bis 3 Monaten. Im Vergleich zu denjenigen, bei denen die Erkrankung erst später im ersten Jahr nach Therapiebeginn auftrat, blieb das Risiko etwa doppelt so hoch.
Für die Studie wurde VigiBase genutzt, eine WHO-Datenbank mit mehr als 40 Millionen Meldungen über vermutete unerwünschte Arzneimittelwirkungen aus aller Welt. Damit wurden bei Krebspatienten Fälle von durch Immuncheckpoint-Inhibitoren induzierter Myokarditis, Myositis und Myasthenia gravis identifiziert. Die Forschenden ermittelten 4.635 Fälle von Myokarditis, Myositis oder Myasthenia gravis und ordneten sie einer von sieben Gruppen zu, je nachdem, ob die Erkrankungen allein oder in Kombination auftraten.
Mehr als die Hälfte der Fälle (57,8 %; n = 2.679) umfasste eine durch Immuncheckpoint-Inhibitoren induzierte Myokarditis; bei der Mehrheit (71,3 %; n = 1.911) handelte es sich um Myokarditis allein, während der übrige Anteil (28,7 %; n = 768) gemeinsam mit Myositis und/oder Myasthenia gravis auftrat. Myokarditis zusammen mit Myositis machte den größten Teil der Fälle mit gleichzeitig auftretenden Erkrankungen aus (n = 405), gefolgt vom Triple-M-Overlap-Syndrom bzw. TMOS (n = 207) und Myokarditis zusammen mit Myasthenia gravis (n = 156).
Analysen unter Adjustierung für mehrere Variablen, darunter Krebsart, Alter und Regime der Immuncheckpoint-Inhibitoren, zeigten einen signifikanten Zusammenhang zwischen dem frühen Beginn einer durch Immuncheckpoint-Inhibitoren induzierten Myokarditis und dem Risiko einer myokarditisspezifischen tödlichen Verlaufsform. Auch bei Patienten, die eine Myokarditis zusammen mit gleichzeitig auftretender Myositis und Myasthenia gravis entwickelten, schien das Risiko für einen myokarditisspezifischen Tod erhöht zu sein.
Eine durch Immuncheckpoint-Inhibitoren induzierte Myokarditis ist selten; veröffentlichte Daten deuten auf eine Inzidenz von 0,5 % bis 1 % hin. In der Studie zitierte veröffentlichte Daten weisen darauf hin, dass 20 % bis 50 % der Myokarditisfälle tödlich verlaufen könnten.