Chemoimmuntherapie erzielt höhere pathologische Ansprechraten bei Kopf-Hals-Krebs
Eine Metaanalyse von 23 Studien zeigt, dass eine neoadjuvante Chemoimmuntherapie bei resektablem Kopf-Hals-Plattenepithelkarzinom deutlich höhere Raten einer Major Pathologic Response erzielt als eine Immuntherapie allein. Ob sich dieser Vorteil in ein besseres Überleben übersetzt, ist nach aktueller Evidenz unklar; gefordert werden randomisierte Phase-3-Studien.
Patienten mit Kopf-Hals-Krebs wiesen deutlich höhere pathologische Ansprechraten auf, wenn sie vor der Operation eine Chemoimmuntherapie erhielten, verglichen mit einer Immuntherapie allein – so das Ergebnis einer Metaanalyse von 23 prospektiven Phase-1- und Phase-2-Studien. Die Ergebnisse sprechen für randomisierte Phase-3-Studien, um zu klären, ob sich die verbesserte pathologische Response in Überlebensvorteile übersetzt.
Die systematische Übersichtsarbeit umfasste 751 Patienten mit therapienaivem, resektablem Plattenepithelkarzinom des Kopf-Hals-Bereichs (77% männlich; Altersspanne 27–87 Jahre). Vor der Operation erhielten 357 Patienten eine Chemoimmuntherapie, 102 eine duale Immuntherapie und 292 eine Immuntherapie als Monotherapie.
Die gepoolten Raten einer Major Pathologic Response (weniger als 10% vitaler Tumor nach der Resektion) betrugen 66% (95%-KI, 58%–73%) für die Chemoimmuntherapie, 18% (95%-KI, 6%–29%) für die duale Immuntherapie und 6% (95%-KI, 3%–9%) für die Immuntherapie als Monotherapie. Die Raten einer kompletten pathologischen Response (kein vitaler Tumor nach der Resektion) zeigten ein ähnliches Muster. Die Unterschiede könnten auf synergistische Effekte zurückzuführen sein, bei denen die Chemotherapie die Tumormasse reduziert und dadurch Immuntherapeutika effektiver wirken können.
Über die Studien hinweg waren die 1-Jahres-Gesamtüberlebensraten unter allen drei neoadjuvanten Regimen ähnlich und lagen zwischen 88% und 96% für die Immuntherapie als Monotherapie, 88% bis 96% für die duale Immuntherapie und 88% bis 100% für die Chemoimmuntherapie.
Nebenwirkungen vom Grad 3 oder höher wurden bei 61 von 210 Patienten (29%) unter Immuntherapie als Monotherapie, bei 2 von 67 Patienten (3%) unter dualer Immuntherapie und bei 36 von 210 Patienten (17%) unter Chemoimmuntherapie berichtet. Zu den am häufigsten berichteten Nebenwirkungen gehörten Leukopenie, Anämie, Neutropenie, Kolitis und Exanthem.
Die Autoren der Studie stellten fest, dass die Evidenz aus dieser gepoolten Metaanalyse mit unterschiedlichen pathologischen Ansprechraten unter neoadjuvanter Chemoimmuntherapie im Vergleich zur Immuntherapie allein randomisierte Phase-3-Studien erfordert, die beide Regime beim Plattenepithelkarzinom des Kopf-Hals-Bereichs direkt vergleichen. Ein begleitendes Editorial stimmte dem zu und merkte an, dass auf Basis der derzeitigen Evidenz „keine Schlussfolgerung“ hinsichtlich des Einflusses auf das Überleben der Patienten gezogen werden könne.
Die Autoren des Editorials schrieben, dass nur durch streng konzipierte Studien der zusätzliche Nutzen sowie die geeignete Patientengruppe für eine neoadjuvante Chemoimmuntherapie bei Kopf-Hals-Plattenepithelkarzinomen mit kurativer Behandlungsintention klar definiert werden können.
Viele der eingeschlossenen Studien waren Ein-Gruppen-Studien, was in der Metaanalyse einen direkten Vergleich des Ansprechens auf Immuntherapie versus Chemoimmuntherapie verhinderte. In den gepoolten pathologischen Ansprechraten über die neoadjuvanten Chemoimmuntherapie-Studien hinweg wurde eine hohe Heterogenität beobachtet. Das deutet darauf hin, dass die Patientenselektion und die Fähigkeit, biologische Responder auf eine systemische Therapie mithilfe von Biomarkern zu identifizieren, in zukünftigen Studien entscheidend sein werden. Die meisten Patienten hatten eine human-papillomavirus-negative T3- oder T4-Erkrankung, was die Übertragbarkeit auf andere Patientenkollektive einschränken könnte.
Die Studie wurde am 12. März online in JAMA Otolaryngology-Head & Neck Surgery veröffentlicht.