Bluttests zeigen Potenzial zur Überwachung von Hodenkrebs und für Therapieentscheidungen

Neue Studien zeigen, dass blutbasierte Biomarker ein Wiederauftreten von Hodenkrebs und Therapieergebnisse vorhersagen könnten. Zudem deuten Daten darauf hin, dass langfristige Gesundheitsrisiken bei Überlebenden je nach Chemotherapieregime unterschiedlich ausfallen.

Neue Bluttests zeigen laut aktuellen Forschungsergebnissen Potenzial, ein Wiederauftreten von Hodenkrebs sowie Therapieergebnisse vorherzusagen. Die Befunde deuten darauf hin, dass diese Biomarker helfen könnten, die Versorgung von Patienten mit Erkrankungen im Frühstadium zu personalisieren und Therapieentscheidungen bei therapieresistenten Tumoren zu unterstützen.

Menschen, bei denen ein Keimzelltumor des Hodens im Stadium 1 diagnostiziert wird, werden häufig allein operiert und anschließend im Rahmen einer aktiven Überwachung engmaschig kontrolliert. Während die meisten langfristig sehr gute Ergebnisse haben, kommt es bei etwa jedem vierten Patienten innerhalb von fünf Jahren zu einem Rezidiv. Die neue Studie zeigte, dass der blutbasierte Marker miR-371 genutzt werden könnte, um kleinste Mengen verbliebenen Tumorgewebes nach einer Hodenoperation nachzuweisen.

In einer separaten Untersuchung mit Fokus auf junge Erwachsene mit Keimzelltumoren, bei denen eine Standardchemotherapie nicht ausreichend wirksam ist, wurden Blutproben von 69 Patienten unter Hochdosis-Chemotherapie und 26 Patienten unter Standardchemotherapie mittels Shallow Whole Genome Sequencing analysiert. In zirkulierender Tumor-DNA (cfDNA) bewerteten die Forschenden die Tumorfraktion (TF) und Kopienzahlveränderungen (CNAs).

Die Tumorfraktion lag bei 75% der Patienten unter Hochdosis-Chemotherapie über der Nachweisgrenze. Eine hohe Tumorfraktion war sowohl bei Patienten unter Hochdosis- als auch unter Standarddosis-Chemotherapie stark mit einem schlechteren Überleben assoziiert. miR‑371a‑3p erwies sich für den Nachweis des Vorliegens einer Erkrankung als informativer als der etablierte Biomarker, war jedoch kein guter Prädiktor für das Überleben.

Bestimmte genetische Veränderungen (eine hohe Häufigkeit von 3p-Gain, 9q- und 11q-Gains sowie 6q-Loss) traten häufiger bei Patienten unter Hochdosis-Chemotherapie mit ungünstiger Prognose auf. Patienten, deren Tumoren Auffälligkeiten zeigten, die mit einer extraembryonalen Histologie vereinbar waren (Dottersacktumor und Choriokarzinom), hatten schlechtere Überlebensresultate. Hochdosis-Chemotherapie scheint bei Patienten mit hoher Tumorfraktion wirksamer zu sein als eine Standardchemotherapie.

In den Niederlanden erhalten jährlich etwa 30 Kinder die Diagnose eines Keimzelltumors, ebenso wie rund 850 junge Männer mit Keimzelltumoren des Hodens. Hodenkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei jungen Männern im Alter von 15 bis 35 Jahren. Bei jedem zehnten dieser jungen Erwachsenen wirkt die Standardchemotherapie nicht ausreichend. Trotz Behandlung mit Hochdosis-Chemotherapie stirbt letztlich die Hälfte dieser Gruppe.

Unterdessen ergab eine Untersuchung zu langfristigen gesundheitlichen Ergebnissen bei Hodenkrebsüberlebenden, dass die Morbidität je nach von der National Comprehensive Cancer Network (NCCN) empfohlenem Chemotherapieregime variiert. Analysiert wurden 798 Langzeitüberlebende, die mit aktuellen, von NCCN befürworteten Regimen behandelt worden waren: vier Zyklen Etoposid/Cisplatin (EPx4) oder 3 bzw. 4 Zyklen Bleomycin/Etoposid/Cisplatin (BEPx3/BEPx4). Das Medianalter beim Follow-up lag bei 45 Jahren (Median von 11 Jahren nach Chemotherapie).

Im Vergleich zu BEPx3 wiesen Überlebende nach EPx4 signifikant erhöhte Chancen für eine stärkere Nierenfunktionsbeeinträchtigung, Ototoxizität und Neuropathie auf (adjustierte Odds Ratios: 1,55, 1,48 bzw. 1,77). Eine reduzierte geschätzte glomeruläre Filtrationsrate (eGFR) wurde bei 41% der Überlebenden beobachtet und war mit der kumulativen Cisplatin-Dosis sowie mit erhöhten Chancen für die Entwicklung einer Hypertonie assoziiert (Odds Ratios: 2,01, 2,84 bzw. 20,0 für 60 bis 89, 45 bis 59 bzw. 30 bis 44 mL/min/1.73m2).

Signifikant erhöhte Chancen für die Entwicklung von Hyperlipidämie und/oder kardiovaskulärer Erkrankung wurden im Zusammenhang mit moderaten bis schweren eGFR-Reduktionen (30 bis 44 mL/min/1.73m2; Odds Ratios: 6,10 bzw. 7,09) festgestellt. Ähnliche kumulative Morbiditätsbelastungsscores zeigten sich nach EPx4 im Vergleich zu BEPx3, jedoch waren die Scores nach BEPx4 oder nach 4 Zyklen Etoposid/Ifosfamid/Cisplatin schlechter (adjustierte Odds Ratios: 1,77 bzw. 2,24). Es bestanden starke Korrelationen zwischen der selbstberichteten globalen körperlichen Gesundheit und dem kumulativen Morbiditätsbelastungsscore sowie dem Chemotherapieregime.

Bevor die Bluttest-Ansätze in der klinischen Praxis umgesetzt werden können, ist weitere Forschung erforderlich. Der nächste Schritt besteht darin, diese Befunde in einer größeren Gruppe zu bestätigen, einschließlich Blutproben von Kindern mit Keimzelltumoren. Die Forschenden planen nun, diese Ergebnisse in einer größeren Kohorte von Jugendlichen und Kindern mit Keimzelltumoren im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit zu validieren.

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References

  1. Health Consequences Vary by Chemo Regimen in Testicular Cancer Survivors - eMPR.com · empr.com
  2. Early research shows new blood test can help predict testicular cancer recurrence - WEHI · wehi.edu.au
  3. Blood test shows promise in forecasting outcomes for germ cell tumors - News-Medical.Net · news-medical.net