Zöliakie-Pipeline nimmt Fahrt auf: 25+ Therapien in Entwicklung; Bluttest verspricht nichtinvasive Diagnose

Mehr als 25 Unternehmen treiben über 30 Wirkstoffkandidaten gegen Zöliakie voran, gestützt durch jüngste positive Studienergebnisse und eine FDA-Fast-Track-Zulassung. Parallel zeigt ein neuer Bluttest auf Basis der T‑Zell‑Rezeptor-Sequenzierung Potenzial für eine nichtinvasive Diagnose und Verlaufskontrolle – unabhängig von der aktuellen Glutenaufnahme.

Die Therapielandschaft bei Zöliakie gewinnt an Dynamik: Mehr als 25 Unternehmen treiben über 30 Wirkstoffkandidaten (pipeline therapies) in Richtung Markteintritt voran. Gleichzeitig haben Forschende einen potenziellen Bluttest identifiziert, der den Bedarf an invasiven Biopsien bei Diagnose und Verlaufskontrolle verringern könnte.

Im Juni 2025 meldete Forte Biosciences positive Ergebnisse einer Phase-1b-Studie zu FB102 bei Zöliakie. Im Mai 2025 erhielt Teva Pharmaceutical Industries von der FDA den Fast-Track-Status für TEV-53408, einen anti-IL-15-Antikörper in der Phase-2a-Entwicklung für Zöliakie-Patienten unter glutenfreier Ernährung. Ebenfalls im Mai 2025 gab Targeted Genomics eine kommerzielle Zusammenarbeit mit OraSure Technologies für einen Direct-to-Consumer-Gentest auf Zöliakie unter Nutzung von GlutenID und ORAcollect Dx bekannt.

Zu den Unternehmen, die Therapien gegen Zöliakie entwickeln, gehören Teva Pharmaceutical Industries Ltd., Sanofi, Forte Biosciences, Inc., Takeda, Anokion, Entero Therapeutics, Amgen, Topas Therapeutics, Mozart Therapeutics Australia Pty Ltd, Barinthus Biotherapeutics, Hoffmann Roche, Immunic Therapeutic, Ahead Therapeutics, Equillium und Parvus Therapeutic. Zu den aufkommenden Therapien in der Pipeline zählen Latiglutenase, TAK-101, TAK-227, Zamaglutenase (TAK-062), PRV-015 (Ordesekimab), KAN-101, TEV-53408, Amlitelimab, TPM-502, MTX-101, FB102, IMU-856 und ZED1227.

TEV53408 ist ein experimenteller monoklonaler Antikörper zur subkutanen Anwendung, der selektiv auf Interleukin15 (IL15) abzielt – ein Schlüsselzytokin, das die gluteninduzierte Immunaktivierung und die intestinale Entzündung bei Zöliakie antreibt. Durch Blockade der IL15-Signalkaskade soll TEV53408 die pathogene Immunreaktion abschwächen, die selbst bei Spurenexposition gegenüber Gluten zu Zottenatrophie und Symptomschüben führt. Die Therapie hat von der FDA den Fast-Track-Status erhalten und befindet sich derzeit in der klinischen Phase-II-Entwicklung für Zöliakie.

VTP1000 ist eine in Entwicklung befindliche Immuntherapie auf Basis der SNAPTolerance Immunotherapy (SNAPTI)-Plattform von Barinthus Biotherapeutics, die glutenderivierte Peptidantigene und den Immunmodulator Rapamycin über selbstassemblierende Nanopartikel gemeinsam verabreicht. Intramuskulär appliziert, sind diese Nanopartikel so konzipiert, dass sie antigenpräsentierende Zellen gezielt ansteuern und einen Wechsel von pathogenen Effektor-T-Zell-Antworten hin zu einer durch regulatorische T-Zellen vermittelten Immuntoleranz gegenüber Gluten fördern. VTP1000 befindet sich derzeit in der klinischen Phase-I-Entwicklung für Zöliakie.

Auf diagnostischer Ebene haben Forschende von Adaptive Biotechnologies in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern der Mayo Clinic und weiterer Institutionen kürzlich die Entdeckung gemeinsamer T‑Zell‑Rezeptor(TCR)-Signaturen im Blut von Menschen mit Zöliakie vorgestellt. Diese Signaturen unterscheiden Betroffene deutlich von gesunden Kontrollen und sind unabhängig von der Glutenaufnahme. Die Studie nutzt High-Throughput-Immune-Sequencing, um Muster im adaptiven Immunsystem sichtbar zu machen, die es Ärztinnen und Ärzten ermöglichen könnten, die Erkrankung ohne invasive Testverfahren zu überwachen.

Die Forschenden führten eine High-Throughput-TCR-beta-Sequenzierung an peripherem Blut von über 1.600 bioptisch bestätigten Zöliakie-Patienten durch, darunter Personen unter langjähriger glutenfreier Ernährung, und verglichen die Daten mit mehr als 1.100 gesunden Kontrollen. Sie identifizierten Hunderte gemeinsamer, krankheitsassoziierter TCRs, die spezifisch bei Zöliakie-Patienten angereichert waren. Diese Signaturen ließen sich unabhängig von der Glutenaufnahme nachweisen und spiegeln persistierende Gedächtnis-T-Zell-Populationen wider, die auch dann im Kreislauf verbleiben, wenn keine intestinale Entzündung vorliegt.

Zöliakie ist eine chronische Autoimmunerkrankung, bei der die Aufnahme von Gluten bei genetisch prädisponierten Personen eine Immunattacke auf den Dünndarm auslöst. Sie betrifft etwa ein Prozent der Weltbevölkerung; die klassische Form ist durch eine Schädigung der Dünndarmschleimhaut gekennzeichnet, was zu Malabsorption und einer Reihe gastrointestinaler Symptome führt, darunter chronische Diarrhö, Bauchschmerzen und -distension, Gewichtsverlust sowie bei Kindern Wachstumsstörungen. Jüngere Screening-Studien bei Kindern und Jugendlichen deuten darauf hin, dass die Prävalenz der Zöliakie deutlich höher sein könnte und in bestimmten Populationen etwa drei Prozent erreicht.

Traditionell stützt sich die Diagnose auf serologische Tests, gefolgt von einer intestinalen Biopsie, die weiterhin als Goldstandard zur Bestätigung der Zöliakie gilt. Dieser Ansatz ist jedoch invasiv und erfordert, dass Patientinnen und Patienten eine glutenhaltige Ernährung beibehalten – ein Vorgehen, das körperlich und emotional belastend sein kann. Eine Studie schätzte die durchschnittliche Wartezeit bis zur Diagnose auf 13 Jahre. Solche Verzögerungen können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen und langfristige gesundheitliche Folgen haben, darunter eine beeinträchtigte Knochengesundheit und ein erhöhtes Malignomrisiko.

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References

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