Review stellt klinischen Nutzen von Anti-Amyloid-Alzheimer-Medikamenten infrage, während PET-Studie ARIA-E untersucht
Eine Übersichtsarbeit von 17 Studien mit 20.342 Patienten ergab, dass Anti-Amyloid-Medikamente gegen Alzheimer nach 18 Monaten nur „geringfügige“ Effekte hatten und das Risiko für Hirnschwellungen und Blutungen erhöhten. Eine separate PET-Studie deutete darauf hin, dass ARIA-E auf Hirnregionen mit stärkerem Amyloid-Plaque-Rückgang hinweisen könnte.
Eine neue Übersichtsarbeit ergab, dass Anti-Amyloid-Medikamente gegen Alzheimer-Krankheit „keinen bedeutsamen Unterschied für Patienten“ bewirkten, während sie zugleich das Risiko für Schwellungen und Blutungen im Gehirn erhöhten. Separate neue PET-Befunde deuteten darauf hin, dass amyloidbedingte bildgebende Anomalie mit Ödem (amyloid-related imaging abnormality edema, ARIA-E), eine bekannte Nebenwirkung von Behandlungen wie lecanemab und donanemab, darauf hinweisen könnte, dass bestimmte Bereiche des Gehirns stärker auf die Behandlung ansprechen.
Die neue Cochrane-Übersichtsarbeit betrachtete 17 Studien mit insgesamt 20.342 Patienten. Die meisten hatten entweder eine leichte kognitive Beeinträchtigung, Demenz oder beides, bei einem mittleren Alter von 70 bis 74 Jahren. Die Studien umfassten Untersuchungen zu den Anti-Amyloid-Wirkstoffen lecanemab und donanemab sowie zu aducanumab, dessen Entwicklung vom Hersteller eingestellt wurde, und zu bapineuzumab, crenezumab und solanezumab, die nach erfolglosen Studien eingestellt wurden.
Die Analyse ergab, dass die Auswirkungen dieser Medikamente auf die kognitive Funktion und den Schweregrad der Demenz nach 18 Monaten „geringfügig“ waren. Die Effekte der Medikamente bei Menschen mit Alzheimer im Frühstadium und Demenz seien „entweder nicht vorhanden oder durchweg klein“ gewesen, und die durch die Behandlungen bewirkten Unterschiede hätten „weit unter dem minimalen Effekt gelegen, der überhaupt notwendig ist, damit Patienten und Pflegepersonen ihn bemerken können“. Die Evidenz deutete darauf hin, dass frühe Studien zwar statistisch signifikante Ergebnisse zeigten, jedoch kein klinisch bedeutsamer Effekt vorlag.
Laut der Übersichtsarbeit könnten die Medikamente zudem das Risiko für Schwellungen und Blutungen im Gehirn erhöhen. Diese Nebenwirkungen wurden in Hirnscans beobachtet und verursachten bei den meisten Patienten keine Symptome, wobei die langfristigen Auswirkungen unklar waren. Die Übersichtsarbeit merkte außerdem an, dass die meisten Studien nach 18 Monaten berichteten, einem „relativ kurzen“ Zeitraum „im Kontext einer langsam fortschreitenden Erkrankung wie Alzheimer“, während diese Medikamente in der klinischen Praxis wahrscheinlich deutlich länger als 18 Monate eingesetzt würden.
ARIA-E ist eine bekannte Nebenwirkung von Anti-Amyloid-Behandlungen mit monoklonalen Antikörpern wie lecanemab und donanemab. Obwohl sich der Zustand typischerweise von selbst zurückbildet, können die mit den Medikamenten verbundenen Nebenwirkungen wie Krampfanfälle, Koma und Hirnblutung in seltenen Fällen tödlich sein. Für Patienten wird eine routinemäßige Bildgebung des Gehirns empfohlen, um auf Anzeichen von ARIA-E zu überwachen.
In der PET-Studie analysierten die Forscher die Fälle einer Handvoll Patienten mit ARIA-E. Mithilfe von PET-Scans quantifizierte das Team Veränderungen im Aβ-PET-Signal vor und nach dem Abklingen von ARIA-E und verglich dabei von ARIA-E betroffene Regionen mit nicht betroffenen Regionen. Bereiche des Gehirns, die am stärksten anschwollen, zeigten nach dem Abklingen der Schwellung tendenziell die größte Verringerung der Plaques, was darauf hindeutet, dass manche Bereiche möglicherweise stärker auf die Behandlung ansprechen als andere.
Zur Bestätigung der PET-Befunde ist weitere Forschung erforderlich, da die Stichprobe der Studie recht klein war. Das Team plant, die Arbeit gemeinsam mit weiteren Einrichtungen auszuweiten, darunter das Konsortium der Longitudinal Early Onset Alzheimer’s Disease Study.
Die Übersichtsarbeit erscheint, nachdem bekannt geworden war, dass Nice die Evidenz zu donanemab und lecanemab nach erfolgreichen Einsprüchen ihrer Hersteller Eli Lilly und Eisai erneut prüft.