Experten widersprechen Cochrane-Review zu Anti-Amyloid-Alzheimer-Medikamenten
Ein neues Cochrane-Review kommt zu dem Schluss, dass Anti-Amyloid-Medikamente bei Alzheimer keinen klinisch bedeutsamen Nutzen zeigen, doch viele Forschende verweisen auf erhebliche methodische Einschränkungen der Analyse. Neuere Daten zu lecanemab und donanemab sowie breitere Entwicklungsansätze prägen das Feld weiterhin.
Ein neues Cochrane-Review zu Daten aus klinischen Studien zu verschiedenen Anti-Amyloid-Therapien kommt zu dem Schluss, dass diese Medikamente für Menschen mit Alzheimer „keinen klinisch bedeutsamen Nutzen“ zeigen. Viele Forschende sagen jedoch, dass die Übersichtsarbeit erhebliche Einschränkungen habe, und Expertinnen und Experten betonen, dass diese Aussagen die Fortschritte der neuesten Alzheimer-Medikamente nicht schmälern sollten.
Die Übersichtsarbeit versucht, die Wirkung von Anti-Amyloid-Medikamenten bei Alzheimer zu bewerten, doch ein großer Teil der zugrunde liegenden Evidenz stammt von älteren experimentellen Wirkstoffen, deren Entwicklung nach Studien eingestellt wurde, die „keinen bedeutsamen Nutzen“ zeigen konnten. Obwohl die Übersichtsarbeit Daten aus diesen Studien einschloss, sind lecanemab und donanemab, die neuesten im Vereinigten Königreich zugelassenen Alzheimer-Medikamente, Anti-Amyloid-Wirkstoffe, die gezeigt haben, dass es möglich ist, Alzheimer zu verlangsamen, und damit echten Fortschritt darstellen.
Die Übersichtsarbeit legt nahe, dass Anti-Amyloid-Therapien keinen „klinisch bedeutsamen“ Effekt haben. Allerdings gibt es keine einheitlich vereinbarte Definition dafür, was „klinisch bedeutsam“ bedeutet, und die derzeitigen Messgrößen in klinischen Studien können nicht immer widerspiegeln, was für Menschen mit Demenz am wichtigsten ist. Von Demenz betroffene Familien sagen, dass selbst eine Verzögerung des Krankheitsfortschritts um mehrere Monate wertvolle, bedeutsame Zeit mit Angehörigen ermöglichen könnte.
Die Übersichtsarbeit hebt außerdem das bekannte Risiko von ARIA hervor, also Veränderungen der Gehirnstruktur und Schwellungen, die in MRT-Aufnahmen des Gehirns sichtbar sind; die berücksichtigten Studien berichteten jedoch nicht durchgängig, wie häufig dies zu Symptomen führte oder wie diese Symptome behandelt wurden. Die Übersichtsarbeit selbst schließt keine wichtige Wissenslücke dazu, wie sicher diese Medikamente im Versorgungsalltag sind.
Neuere Evidenz mit längerer Nachbeobachtung deutet darauf hin, dass lecanemab und donanemab moderate, aber anhaltende Vorteile über die 18-Monats-Grenzen früherer Studien hinaus bieten könnten; diese aufkommenden Daten werden in der Übersichtsarbeit jedoch nicht berücksichtigt. Langfristige Evidenz aus der Routineversorgung wird benötigt, um zu verstehen, wie diese Behandlungen in der Praxis eingesetzt werden sollten.
Amyloidgerichtete Antikörper sind umstritten geblieben. Als die US Food and Drug Administration im Jahr 2021 den ersten gegen Amyloid-β gerichteten monoklonalen Antikörper zur Behandlung der Alzheimer-Krankheit zuließ, trieben die Behörden aducanumab mit der Begründung voran, dass es Amyloid-Plaques aus den Gehirnen von Menschen mit dieser Erkrankung entferne. Doch das Medikament hatte in einer klinischen Studie den kognitiven Abbau nicht verlangsamen können, und mehr als ein Drittel der Studienteilnehmenden, die es erhielten, zeigte Hinweise auf Hirnschwellungen, die Ärztinnen und Ärzten Sorgen bereiteten.
Die Forschung bewegt sich bereits in Richtung eines breiteren Spektrums biologischer Zielstrukturen. Unternehmen haben in tau, ein Protein, das sich im Krankheitsverlauf verklumpt, investiert, und Forschende suchen nach der nächsten Generation krankheitsmodifizierender Ansätze, darunter Stoffwechsel, Entzündung und der Umgang des Gehirns mit Lipiden. Weltweit werden nahezu 140 experimentelle Behandlungen in mehr als 180 Studien getestet.