Chemoimmuntherapie bei Anal- und kolorektalem Karzinom: Fortschritte zeigen Potenzial in der Erstlinientherapie
Neue Kombinationstherapien zeigen verbesserte Ergebnisse bei fortgeschrittenem Anal- und kolorektalem Karzinom. retifanlimab plus Chemotherapie ist für das inoperable lokal rezidivierende oder metastasierte Analkarzinom in der Erstlinie zugelassen, während onvansertib bei RAS-mutiertem metastasiertem CRC starke Wirksamkeitssignale in der Erstlinie liefert.
Die Erstlinientherapie des fortgeschrittenen Plattenepithelkarzinoms des Analkanals (SCAC) verlagert sich zunehmend hin zur Chemoimmuntherapie, um Dauerhaftigkeit und Ansprechraten zu maximieren. Dies zeigt sich an der Einführung von retifanlimab-dlwr (Zynyz) plus carboplatin/paclitaxel in das Behandlungsschema als neuer Goldstandard.
Die FDA-Zulassung im Mai 2025 für retifanlimab plus carboplatin/paclitaxel zur Erstlinienbehandlung erwachsener Patient:innen mit inoperablem, lokal rezidivierendem oder metastasiertem SCAC wurde durch Daten der Phase-3-Studie POD1UM-303/InterAACT2 (NCT04472429) gestützt. In dieser Studie wurde der primäre Endpunkt „progressionsfreies Überleben“ (PFS) erreicht: Die Chemoimmuntherapie-Kombination reduzierte im Vergleich zu Placebo plus carboplatin/paclitaxel das Risiko für Krankheitsprogression oder Tod um 37% (HR, 0.63; 95% KI, 0.47–0.84; P = .0006).
Vor der FDA-Zulassung im Mai 2025 für retifanlimab plus carboplatin und paclitaxel galten carboplatin und paclitaxel auf Grundlage der Phase-2-Studie InterAACT (NCT02051868) als Standardtherapie. In der PODIUM-303-Studie waren etwa 75% der auswertbaren Patient:innen p16-positiv; unklar ist jedoch, ob es sich dabei um einen prädiktiven Biomarker für das Ansprechen auf eine Immuntherapie handelt.
Beim kolorektalen Karzinom verbesserten onvansertib in Kombination mit Standardchemotherapie und bevacizumab (Avastin) die Ergebnisse bei Patient:innen mit therapienaivem, RAS-mutiertem metastasiertem kolorektalem Karzinom (CRC), wie Ergebnisse der randomisierten Phase-2-Studie CRDF-004 (NCT06106308) zeigen. Die Ergebnisse könnten einen relevanten ungedeckten Bedarf in der RAS-mutierten Population adressieren, die etwa die Hälfte aller metastasierten CRC-Fälle ausmacht und in der Erstlinie seit mehr als 2 Jahrzehnten nur begrenzte therapeutische Fortschritte verzeichnet.
In einer Intention-to-treat-Analyse mit Datenstichtag 22. Januar 2026 erreichte onvansertib in der Dosierung 30 mg plus FOLFIRI und bevacizumab eine bestätigte objektive Gesamtansprechrate (ORR) von 72.2%. Dies entsprach einer deutlichen Verbesserung gegenüber der ORR von 43.2%, die in den zusammengefassten Standard-of-Care-Armen—FOLFIRI plus bevacizumab und FOLFOX plus bevacizumab—beobachtet wurde, sowie gegenüber der ORR von 42.1% im alleinigen Kontrollarm FOLFIRI plus bevacizumab. Bei Gabe von onvansertib in der Dosierung 20 mg in Kombination mit FOLFIRI und bevacizumab betrug die ORR 44.4%.
Zusätzlich erreichte der Arm mit 30 mg onvansertib plus FOLFIRI und bevacizumab im Vergleich zum Standard of Care statistische Signifikanz für das progressionsfreie Überleben (PFS) und zeigte eine Hazard Ratio von 0.37 (95% KI, 0.13–1.02; P = .048). Während zum Zeitpunkt der Analyse das mediane PFS in den onvansertib-Armen noch nicht erreicht war, zeigten die Standard-of-Care-Regime ein medianes PFS von 10.97 Monaten (95% KI, 6.53–15.44). Die 6-Monats-PFS-Rate betrug 94.1% (95% KI, 83.6%–100.0%) mit 30 mg onvansertib plus FOLFIRI und bevacizumab, 88.1% (95% KI, 73.9%–100.0%) mit 20 mg ovansertib plus FOLFIRI und bevacizumab, 79.5% (95% KI, 61.1%–100.0%) mit FOLFIRI und bevacizumab sowie 88.8% (95% KI, 77.4%–100.0%) mit Standard of Care.
Teilnehmende der CRDF-004-Studie wurden randomisiert und erhielten entweder 20 mg onvansertib plus Standard of Care, 30 mg onvansertib plus Standard of Care oder Standard of Care allein. In den experimentellen Armen wurde onvansertib oral als Kapsel einmal täglich an den Tagen 1 bis 5 und 15 bis 19 jedes 28-Tage-Zyklus verabreicht. Die Einschlusskriterien verlangten ein histologisch bestätigtes metastasiertes CRC mit dokumentierter KRAS- oder NRAS-Mutation sowie nicht resektabler Erkrankung. Zudem mussten die Patient:innen in der metastasierten Situation therapienaiv sein und einen ECOG-Performance-Status von 0 oder 1 aufweisen. Primärer Endpunkt der Studie war die ORR nach RECIST v1.1; sekundäre Endpunkte umfassten PFS, Dauer des Ansprechens und Sicherheit.
Die Hinzunahme von onvansertib zur Standardchemotherapie führte nicht zu wesentlichen oder unerwarteten Toxizitäten oder zu signifikanten additiven unerwünschten Ereignissen (AEs). Neutropenie wurde als das häufigste behandlungsbedingte, neu aufgetretene AE in allen Behandlungsarmen identifiziert; die Prüfärzt:innen stuften sie jedoch als beherrschbar ein.
Der globale Onkologiemarkt dürfte seinen Wert im kommenden Jahrzehnt nahezu verdreifachen und von $279.98 Milliarden im Jahr 2026 auf geschätzte $748.17 Milliarden bis 2035 wachsen. Allein die Umsätze mit Krebsmedikamenten sollen bis 2033 voraussichtlich $335.2 Milliarden erreichen, getrieben durch einen Anstieg zielgerichteter Therapien und die zunehmende Anwendung von Immuntherapien. Insbesondere das Segment der Immunonkologie soll von $65.22 Milliarden im Jahr 2025 auf $170.19 Milliarden bis 2032 wachsen, was einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 14.9% entspricht.