Fallbericht: Achteinhalb-Syndrom durch Hirnstamminfarkt bei 71-jährigem Patienten
Ein Fallbericht beschreibt das Achteinhalb-Syndrom bei einem 71-jährigen Patienten mit Bluthochdruck und ischämischer Herzkrankheit, der mit akuten neurologischen Defiziten vorgestellt wurde. Die MRT zeigte einen akuten Ponsinfarkt, der die charakteristische Trias aus horizontaler Blicklähmung, internukleärer Ophthalmoplegie und Gesichtsschwäche verursachte.
Ein 71-jähriger Patient mit vaskulären Risikofaktoren wurde mit plötzlich einsetzendem Schwindel, undeutlicher Sprache (Dysarthrie) und Augenbewegungsanomalien vorgestellt und erhielt letztlich die Diagnose eines Achteinhalb-Syndroms aufgrund eines akuten Ponsinfarkts. Diese seltene neuro-ophthalmologische Erkrankung kombiniert eine horizontale Blicklähmung, eine internukleäre Ophthalmoplegie und eine ipsilaterale Fazialisparese.
Der Patient, ein rechtshändiger Mann mit einer Vorgeschichte von arterieller Hypertonie und ischämischer Herzerkrankung, gab keinen Tabak- oder Alkoholkonsum an und hatte keine vorherigen zerebrovaskulären Ereignisse. Die neurologische Untersuchung zeigte eine Abweichung des rechten Auges nach außen in der Primärposition. Bei einem Versuch nach links zu blicken, fiel die horizontale Augenbewegung komplett aus, Sakkaden fehlten. Bei Blick nach rechts war eine erhaltene Abduktion des rechten Auges mit begleitendem blickinduziertem Nystagmus zu sehen. Vertikale Augenbewegungen und vertikale Sakkaden waren intakt, der vestibulo-okuläre Reflex war erhalten. Eine linksseitige Fazialisparese peripherer (niedermotorischer) Genese mit Bell-Phänomen wurde festgestellt. Es wurde kein Ptosis, keine Pupillenanomalie oder Beteiligung anderer Hirnnerven beobachtet. Die motorischen, sensorischen, zerebellären und meningealen Untersuchungen waren normal.
Die Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirns zeigte eine akute diffusionsbeschränkte Läsion, die den linken dorsalen Pons einnahm. Die anatomische Lokalisation des Infarkts entsprach den Strukturen, die den horizontalen Blick und die Fazialisfunktion steuern, was die Diagnose unterstützte. Eine Dopplersonographie der Vertebralarterie ergab eine leichte Intimaverdickung ohne signifikante Stenose, und die transthorakale Echokardiographie zeigte eine erhaltene linksventrikuläre systolische Funktion.
Das Achteinhalb-Syndrom entsteht durch eine einzige pontine Läsion, die gleichzeitig mehrere funktionell verbundene neuronale Bahnen betrifft. Eine Störung der paramedianen pontinen Retikularformation oder des Abducenskerns erzeugt die horizontale Blicklähmung, eine Beteiligung des medialen longitudinalen Faszikulus führt zur internuklären Ophthalmoplegie, und Schädigungen des Fazialisnervenfascikels auf Ebene des Colliculus facialis führen zu einer ipsilateralen peripheren Fazialisparese.
Ischämische Schäden der Pons, insbesondere durch Beteiligung perforierender Äste der vertebrobasilären Zirkulation, stellen einen häufigen Mechanismus dar, der diesem Syndrom zugrunde liegt. Frühere Berichte haben gezeigt, dass vaskuläre Ätiologien typischerweise mit einem plötzlichen Symptombeginn einhergehen und eine enge klinisch-radiologische Korrelation aufweisen, während demyelinisierende, infektiöse, entzündliche oder neoplastische Ursachen oft einem eher subakuten oder progressiven Verlauf folgen und mit zusätzlichen neurologischen Befunden assoziiert sein können.
Die Neurobildgebung spielt eine entscheidende Rolle bei der Unterstützung der Diagnose und der Identifizierung der zugrunde liegenden Ätiologie. Diffusionsgewichtete MRT ist besonders wertvoll zur Detektion eines akuten Ponsinfarkts, da kleine strategisch gelegene Läsionen aufgrund der dichten Konzentration neuronaler Bahnen in der Pons disproportionierte klinische Defizite verursachen können.