Studien zur Hirnstimulation zeigen Potenzial für Depressionsbehandlung und kognitiven Abbau
Neue Studien deuten darauf hin, dass Hirnstimulationstherapien die Depressionsbehandlung deutlich beschleunigen könnten: Ein beschleunigtes TMS-Protokoll über fünf Tage erzielte ähnliche Effekte wie die herkömmliche sechswöchige Behandlung. Zudem könnte niedrig dosiertes lithium den verbalen Gedächtnisabbau bei älteren Menschen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung verlangsamen, insbesondere bei höherer **amyloid beta**-Belastung.
Eine Hirnstimulationstherapie gegen Depressionen kann laut einer neuen Studie bereits innerhalb einer Arbeitswoche Wirkung zeigen. Die transkranielle Magnetstimulation (TMS) erfordert üblicherweise tägliche Klinikbesuche über sechs bis acht Wochen – ein recht strenges Programm für Menschen, die mit Depressionen kämpfen. Doch Patientinnen und Patienten können schon nach nur fünf Tagen profitieren, wenn sie fünf Sitzungen pro Tag erhalten, berichten Forschende in der Juniausgabe des Journal of Affective Disorders.
Diese „Fünf-mal-fünf“-Behandlung senkte die Depressionswerte in einem kleinen Patientenkollektiv ähnlich stark wie die konventionelle TMS, so die Forschenden. Um zu prüfen, ob sich TMS effizienter anwenden lässt, erhielten 40 Patientinnen und Patienten ein beschleunigtes Protokoll mit fünf Sitzungen pro Tag an fünf aufeinanderfolgenden Tagen. Jede Sitzung dauerte neun bis 15 Minuten. Ihr Fortschritt wurde mit einer weiteren Gruppe von 135 Patientinnen und Patienten verglichen, die eine konventionelle TMS-Therapie erhielten: eine Sitzung pro Tag, fünf Tage pro Woche, über sechs Wochen.
Alle Patientinnen und Patienten litten an Depressionen, die sich durch Antidepressiva nicht gebessert hatten. Beide Gruppen zeigten klinisch relevante Rückgänge der Depressionssymptome, ohne statistisch signifikante Unterschiede in den Ergebnissen, so die Forschenden. Interessanterweise zeigte die Hälfte der „Fünf-mal-fünf“-Patientinnen und -Patienten keine unmittelbare Besserung, wies jedoch nach zwei bis vier Wochen einen Symptomrückgang um 36% auf.
Bei der TMS werden magnetische Impulse eingesetzt, um bestimmte Hirnareale zu stimulieren – über auf der Kopfhaut der Patientinnen und Patienten platzierte Elektroden. Große Studien hätten gezeigt, dass TMS die Depressionssymptome bei 60% bis 70% der Betroffenen deutlich reduzieren könne, wobei 25% bis 35% vollständig symptomfrei würden, schrieben die Forschenden in Hintergrundinformationen. Tatsächlich würden die meisten Versicherungspläne die TMS-Behandlung bei Depressionen abdecken, so die Forschenden.
Allerdings wiesen die Forschenden darauf hin, dass es sich nicht um eine formelle klinische Studie handelte und dass größere Studien erforderlich seien, um die Ergebnisse zu bestätigen.
In einer separaten Untersuchung könnte das Stimmungsstabilisierungsmedikament lithium dem Gehirn Vorteile bringen, die über die bloße Abwehr von Depressionen und Angst hinausgehen. Eine Pilotstudie (clinical trial) ergab, dass niedrig dosierte lithium-Tabletten helfen könnten, den verbalen Abbau bei älteren Menschen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung zu verlangsamen, berichteten Forschende am 2. März in JAMA Neurology.
Ältere Personen, die zwei Jahre lang lithium einnahmen, konnten Wörter und Sätze besser behalten und abrufen als Personen, die ein Placebo erhielten, so die Studie. Die Ergebnisse seien nicht endgültig, lieferten aber ausreichend positive Hinweise, um größere Folgestudien zu rechtfertigen, so die Forschenden.
Für die Studie rekrutierten die Forschenden 80 Seniorinnen und Senioren mit einem Durchschnittsalter von 72 Jahren und teilten sie nach dem Zufallsprinzip so ein, dass sie über zwei Jahre entweder niedrig dosiertes lithium oder ein Placebo einnahmen. Die Teilnehmenden absolvierten kognitive Tests und erhielten Hirnscans, um die Wirkung des Medikaments auf Hirnfunktion und -struktur zu beurteilen.
Bei Personen, die lithium einnahmen, verlief der Leistungsabfall in einem Test des verbalen Gedächtnisses langsamer – einem Bereich, der bekanntermaßen früh bei der Alzheimer-Krankheit nachlässt, so die Forschenden. Bildgebende Hirnscans zeigten, dass der Hippocampus – eine für das Gedächtnis entscheidende Region – in beiden Gruppen im Verlauf schrumpfte.
Die Scans und Tests deuteten jedoch auf einen stärkeren Schutzeffekt bei Menschen hin, deren Gehirn höhere Spiegel von amyloid beta enthielt – einem toxischen Protein, das mit Alzheimer in Verbindung steht. Die Studie wurde 2018 gestartet, als Bluttests auf amyloid beta noch nicht verfügbar waren. Daher wurden die Teilnehmenden ausschließlich anhand ihrer klinischen Symptome eingeschlossen, und nur bei einem Teil stellte sich später eine Amyloid-Positivität heraus. Dies könnte die Fähigkeit der Studie geschwächt haben, stärkere Effekte von lithium in dieser Patientengruppe herauszuarbeiten, so die Forschenden.
Die Ergebnisse zeigten zudem, dass niedrig dosiertes lithium von älteren Menschen sicher eingenommen werden kann. Das Team sucht nun Unterstützung für eine größere, aussagekräftigere klinische Studie.