ASCO aktualisiert Leitlinie zu Immuntherapie und zielgerichteter Therapie bei fortgeschrittenem gastroösophagealem Karzinom
Eine aktualisierte ASCO-Leitlinie betont bei fortgeschrittenem gastroösophagealem Karzinom biomarkergesteuerte Therapiestrategien. Empfohlen werden upfront Testungen auf HER2, PD-L1, MSI/MMR und CLDN18.2, um die Auswahl von Immuntherapie und zielgerichteter Therapie zu steuern.
Eine neue Leitlinienaktualisierung zur Immuntherapie und zielgerichteten Therapie bei fortgeschrittenem gastroösophagealem Karzinom wurde im Journal of Clinical Oncology veröffentlicht. Die Leitlinie betont Biomarker-Testungen und biomarkergesteuerte Behandlungsstrategien für Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung.
Die Leitlinie empfiehlt eine upfront durchgeführte Testung auf HER2, PD-L1, MSI/MMR und CLDN18.2. Für Patientinnen und Patienten mit PD-L1 ≥1 wird eine Immuntherapie plus Platin-/Fluoropyrimidin-Chemotherapie empfohlen; dabei wurde ein größerer Nutzen beobachtet, je höher PD-L1 ist, insbesondere bei ≥10. Bei CLDN18.2-positiver Erkrankung ist zolbetuximab plus Chemotherapie nun eine Standardoption. Bei HER2-positiver, PD-L1 ≥1-Erkrankung wird pembrolizumab plus trastuzumab plus Chemotherapie empfohlen. Für dMMR/MSI-H-Erkrankungen bleiben immuntherapiebasierte Strategien grundlegend.
Immun-Checkpoint-Inhibitoren haben die Behandlungslandschaft gastroösophagealer Karzinome grundlegend verändert und sind in der Erstlinie bei fortgeschrittener Erkrankung in Kombination mit Chemotherapie inzwischen Standard of Care. Drei zugelassene PD-1-Inhibitoren—nivolumab, pembrolizumab und tislelizumab—werden durch die pivotalen Studien CheckMate-649, KEYNOTE-590 beziehungsweise RATIONALE-305 gestützt. Die Ergänzung der Chemotherapie um Immuntherapie verbesserte das Gesamtüberleben im Vergleich zur alleinigen Chemotherapie, wobei ein größerer Nutzen bei höherer PD-L1-Expression zu beobachten war.
Bei HER2-positiver Erkrankung bietet eine trastuzumab-basierte Therapie Überlebensvorteile, wie in der ToGA-Studie belegt. Die Ergänzung um pembrolizumab bei PD-L1-positiven Tumoren wird durch Ergebnisse aus KEYNOTE-811 unterstützt.
Bei CLDN18.2-positiver Erkrankung zeigte zolbetuximab Überlebensvorteile in den Studien SPOTLIGHT und GLOW, in denen nach 2 Jahren etwa 20%–30% der Patientinnen und Patienten am Leben waren.
Bei lokalisierter Erkrankung zeigte die MATTERHORN-Studie, dass eine perioperative Behandlung mit durvalumab plus FLOT gegenüber Chemotherapie Verbesserungen des ereignisfreien Überlebens und des Gesamtüberlebens erbrachte. Lokalisierte dMMR-Erkrankungen können mit alleiniger Immuntherapie behandelt werden, während metastasierte Erkrankungen entweder mit Chemotherapie plus Immuntherapie oder mit Immuntherapie-Kombinationen behandelt werden können.
Die meisten PD-L1-positiven Patientinnen und Patienten profitieren von Immuntherapie und tolerieren sie, wenngleich Autoimmunerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa relative Kontraindikationen darstellen können. Eine frühzeitige Erkennung und das Management therapieassoziierter Toxizitäten sind wichtig, um den Patientennutzen zu optimieren.
Die Autoren der Leitlinie merkten an, dass Antikörper-Wirkstoff-Konjugate und bispezifische Antikörper in den kommenden Jahren die Behandlungslandschaft voraussichtlich weiter verändern werden.