APA will im nächsten DSM trotz begrenzter klinischer Validierung Biomarker aufnehmen
Die American Psychiatric Association will in der nächsten Ausgabe des DSM Biomarker für psychische Erkrankungen aufnehmen, obwohl diese bislang nicht für den routinemäßigen klinischen Einsatz validiert sind. Die Forschung läuft seit Jahrzehnten, die Umsetzung in der Praxis bleibt jedoch begrenzt – trotz des Potenzials, Diagnostik und Therapieauswahl zu verbessern.
Die American Psychiatric Association kündigte an, in die nächste Ausgabe des Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders Biomarker für psychische Erkrankungen aufzunehmen – ein Schritt, der die Art und Weise, wie psychische Krankheiten diagnostiziert und behandelt werden, potenziell verändern könnte. Psychische Störungen werden traditionell anhand von Symptomen und nicht anhand messbarer biologischer Indikatoren diagnostiziert.
Die APA erklärte in einem am 27. Januar in The American Journal of Psychiatry veröffentlichten Beitrag, Biomarker – etwa blutbasierte Entzündungsmarker, genetische Profile oder Muster der Hirnaktivität – könnten Ärztinnen und Ärzten helfen, präzisere Diagnosen zu stellen und die Auswahl von Behandlungen zu steuern, seien jedoch noch nicht für den routinemäßigen Einsatz validiert. Trotz großer Fortschritte in unserem Verständnis der Biologie psychischer Störungen gibt es keinen Bluttest oder Gehirnscan, der bestätigt, ob jemand an Depression, Angststörung, PTSD oder einer anderen psychiatrischen Erkrankung leidet.
Die Forschung zu psychiatrischen Biomarkern erstreckt sich über Jahrzehnte, wurde klinisch jedoch nur in begrenztem Umfang übernommen. Eine große Studie aus den frühen 2000er-Jahren ergab, dass bei etwa 30% der Patientinnen und Patienten mit Depression die Symptome mit ihrem ersten Antidepressivum abklangen – ein Hinweis auf die Variabilität des Therapieansprechens.
Einige Ergebnisse deuten auf eine potenzielle klinische Nutzung hin. Etwa 25% der Patientinnen und Patienten mit Depression weisen erhöhte Spiegel des C-reaktiven Proteins auf, eines Entzündungsmarkers, der auf ein besseres Ansprechen auf bestimmte Nicht-SSRI-Behandlungen hinweisen könnte. Die APA betonte jedoch, dass solche Marker noch nicht für den routinemäßigen Einsatz validiert seien.
Die Einführung einer biomarkergesteuerten Psychiatrie könnte auch Kosten und Erstattungsfragen beeinflussen. Einige Studien deuten darauf hin, dass Tests die langfristigen Ausgaben senken könnten, indem sie die Behandlungsauswahl erleichtern, wobei ein Großteil dieser Forschung außerhalb der USA entstanden ist. Eine begrenzte Versicherungsdeckung könnte die Einführung verlangsamen.
Die APA rief zu stärker koordinierter, gut finanzierter Forschung auf, um Biomarker zu validieren, und wies darauf hin, dass jüngste Kürzungen der Bundesmittel für Unsicherheit gesorgt hätten.