Gemeinsamer Weißsubstanz-Biomarker bei Schizophrenie und Bipolarer Störung identifiziert

Forschende identifizierten gemeinsame Veränderungen der weißen Substanz im Corpus callosum als potenziellen Biomarker, der bei Schizophrenie und bipolarer Störung gleichermaßen auftritt. Die Befunde stützen damit das Konzept eines Psychosespektrums statt vollständig getrennt zu betrachtender Erkrankungen.

Forscher haben einen gemeinsamen Biomarker zwischen Schizophrenie und bipolarer Störung identifiziert, zwei psychiatrischen Erkrankungen, die historisch als voneinander getrennt und nicht miteinander verwandt behandelt wurden. Die Entdeckung hebt gemeinsame Veränderungen der weißen Substanz im Corpus callosum hervor, einer Hirnstruktur, die die linke und rechte Hemisphäre miteinander verbindet und die über das gesamte Psychosespektrum hinweg beobachtet wurde, statt auf eine einzelne Diagnose beschränkt zu sein.

Über Jahrzehnte wurden Schizophrenie und bipolare Störung als unterschiedliche und nicht miteinander verwandte psychiatrische Störungen betrachtet. Schizophrenie ist eine psychiatrische Erkrankung, die durch veränderte Denk- und Emotionsmuster, Halluzinationen, falsche oder irrationale Überzeugungen (d. h. Wahnvorstellungen), kognitive Defizite und desorganisierte Sprache gekennzeichnet ist. Die bipolare Störung hingegen ist durch extreme Stimmungsschwankungen geprägt, die zwischen Phasen hoher Energie (d. h. Manie oder Hypomanie) und depressiven Episoden schwanken.

Obwohl sich die Symptome von Schizophrenie und bipolarer Störung deutlich unterscheiden, erleben viele Patientinnen und Patienten mit einer Diagnose einer dieser Erkrankungen im Laufe ihres Lebens mindestens einmal eine Psychose. Psychose ist ein psychischer Zustand, bei dem Betroffene den Bezug zur Realität verlieren und Halluzinationen, Wahnvorstellungen, desorganisierte Sprache sowie irrationale Denkmuster erleben.

In jüngerer Zeit fanden Studien, dass Patientinnen und Patienten mit Schizophrenie und bipolarer Störung mitunter weitere überlappende Symptome teilen, ebenso wie gemeinsame Muster in ihren Genen und ihrer Hirnorganisation. Dies befeuerte die Idee, dass diese Störungen Teil eines gemeinsamen Psychosespektrums sind, was ihre gemeinsamen Merkmale und Charakteristika erklären würde.

Forschende der University of Florence, der Geneva University Hospital und der École Polytechnique Fédérale de Lausanne sichteten und analysierten die Ergebnisse früherer Studien, um diese Hypothese weiter zu prüfen und die Existenz eines Psychosespektrums von Störungen zu validieren. Ihre in Nature Mental Health veröffentlichte Arbeit beschreibt gemeinsame Hirnmerkmale bei Patientinnen und Patienten mit Schizophrenie und bipolarer Störung, insbesondere Unterschiede in der Integrität der weißen Substanz.

In den vergangenen Jahren hat eine zunehmende Evidenz gezeigt, dass Erkrankungen wie Schizophrenie und bipolare Störung viele biologische Merkmale teilen, darunter genetische Risikofaktoren und Veränderungen im Gehirn. Dies deutet darauf hin, dass sie eher entlang eines gemeinsamen Psychosespektrums liegen könnten, als vollständig unterschiedliche Erkrankungen zu sein. Die meisten früheren neurobildgebenden Studien konzentrierten sich entweder auf Schizophrenie oder auf bipolare Störung, statt beide miteinander zu vergleichen.

Die Forschenden überprüften systematisch Gehirnbildgebungsdaten, die von verschiedenen Teams aus der Neurowissenschaft und psychischen Gesundheitsforschung in den vergangenen 30 Jahren erhoben wurden. Sämtliche Daten wurden mittels Magnetresonanztomographie (MRI) gewonnen, einer nicht-invasiven Bildgebungsmethode, die es Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ermöglicht, 3D-Bilder des Gehirns zu erstellen und Eigenschaften der Weißsubstanz-Verbindungen abzuleiten. Diese Verbindungen wirken wie Informationsautobahnen und ermöglichen eine effiziente Kommunikation zwischen unterschiedlichen Hirnregionen.

Insgesamt vereinte die Analyse Daten aus 96 Studien mit Tausenden Teilnehmenden mit Psychosespektrum-Störungen sowie gesunden Kontrollpersonen. Die Forschenden konzentrierten sich auf zwei gut etablierte Messgrößen der Weißsubstanzstruktur, die widerspiegeln, wie organisiert und intakt diese neuronalen Bahnen sind.

Die Forschenden analysierten die Ergebnisse mehrerer Studien gemeinsam und betrachteten Schizophrenie und bipolare Störung sowohl getrennt als auch zusammen, wobei sie Unterschiede in Alter und Geschlecht berücksichtigten. So konnten sie Hirnregionen identifizieren, die bei Patientinnen und Patienten mit einer der beiden Störungen in ähnlicher Weise betroffen zu sein scheinen.

Die Befunde blieben signifikant und wurden in einigen Fällen nach Berücksichtigung von Alter und Geschlecht sogar deutlicher, was darauf hindeutet, dass sie sich kaum allein durch Krankheitsdauer oder Alterungsprozesse erklären lassen. Dies stützt die Annahme, dass Störungen der Hirnkonnektivität ein zentrales biologisches Merkmal von Psychose darstellen könnten.

Die Ergebnisse dieser Metaanalyse verorten einen Kandidaten-Biomarker, der sowohl Schizophrenie als auch bipolare Störung zu charakterisieren scheint. Dieser Befund könnte neue Einblicke in die zugrunde liegenden Mechanismen dieser psychischen Erkrankungen liefern und zukünftige Forschung zu Diagnose- und Behandlungsstrategien beeinflussen.

Related Entities

Related Articles

References

  1. Shared Biomarker Found Linking Schizophrenia and Bipolar Disorder - GeneOnline News · www.geneonline.com
  2. Study Finds Lactobacillus delbrueckii subsp. bulgaricus 2038 and Streptococcus ... · www.geneonline.com
  3. A common biomarker of schizophrenia and bipolar disorder revealed - Medical Xpress · medicalxpress.com