NIH-finanzierte Studie: Gehirntraining-Spiel senkt Demenzrisiko über 20 Jahre um 25%
Eine große, von den NIH finanzierte Langzeitstudie zeigt, dass visuelles Geschwindigkeitstraining das Risiko, an Alzheimer oder anderen Demenzen zu erkranken, selbst nach 20 Jahren um 25% senken kann. Es handelt sich um die erste randomisierte klinische Studie, die einen derart langfristigen Zusammenhang untersucht.
Eine große Langzeitstudie, die am 9. Februar in der Fachzeitschrift Alzheimer's & Dementia: Translational Research & Clinical Interventions veröffentlicht wurde, zeigt: Ältere Erwachsene, die eine Form des Gehirntrainings mit Fokus auf visuelle Verarbeitungsgeschwindigkeit absolvierten, entwickelten selbst 20 Jahre später mit 25% geringerer Wahrscheinlichkeit die Alzheimer-Krankheit oder andere Formen von Demenz. Die von den National Institutes of Health (NIH) finanzierte Studie verfolgte fast 3.000 Menschen im Alter von 65 Jahren und älter.
Die visuelle Verarbeitungsgeschwindigkeit beschreibt, wie schnell das Gehirn auf das reagiert, was um eine Person herum geschieht – insbesondere am Rand des Gesichtsfelds. Die im Studium verwendete Trainingsform wurde ursprünglich von den Psychologen Karlene Ball und Daniel Roenker entwickelt; ihre Forschung trug maßgeblich dazu bei, was Wissenschaftler heute als Geschwindigkeitstraining bezeichnen. Ihre Arbeit bildete später die Grundlage für eine Gehirnübung, die heute als Double Decision bekannt ist und über die Online-Plattform für Gehirntraining BrainHQ verfügbar ist.
Anstatt Menschen dazu zu bringen, Fakten auswendig zu lernen oder Worträtsel zu lösen, zielt Geschwindigkeitstraining darauf ab, dem Gehirn beizubringen, schneller zu sehen, zu verarbeiten und zu reagieren. In einer typischen Übung blickt eine Person in die Mitte eines Bildschirms und entscheidet rasch zwischen zwei Bildern – etwa, welches Auto zuerst erschien. Gleichzeitig muss sie wahrnehmen, wo am Rand des Gesichtsfelds kurzzeitig ein Verkehrsschild aufblitzt.
Mit der Zeit wird das Spiel schwieriger: Die Bilder erscheinen schneller, die Objekte sehen sich ähnlicher, es werden „Ablenker“ hinzugefügt, und die seitlichen Bilder rücken weiter vom Zentrum weg. Ziel ist es, das Gehirn dazu zu bringen, visuelle Informationen schneller und über ein größeres Sichtfeld hinweg zu verarbeiten.
Die Teilnehmenden der Studie wurden Geschwindigkeitstraining, Gedächtnistraining, Training des logischen Denkens oder keiner Trainingsmaßnahme zugeteilt. Wer das Geschwindigkeitstraining einschließlich Auffrischungseinheiten absolvierte – bis zu 23 Stunden über drei Jahre – profitierte. Ein Direktor für kognitive Neurologie am NYU Langone Health in New York City sagte, dies sei für ihn der bislang stärkste Beleg für den Nutzen kognitiven Trainings.
Fachleute gehen davon aus, dass Geschwindigkeitstraining wirkt, weil es implizite Fähigkeiten aufbaut – also solche, die das Gehirn tief verankert lernt und behält, ähnlich wie Fahrradfahren. „Sobald sich das Gehirn für diese Fähigkeiten neu verschaltet, ist die Veränderung auch ohne fortgesetztes Üben dauerhaft“, sagte ein Dozent für Neurologie an der Harvard Medical School. „Ein Kind kann in etwa 10 Stunden Fahrradfahren lernen, und danach hält dieses Lernen ein Leben lang.“
Die Forschenden weisen zudem darauf hin, dass sich das Geschwindigkeitstraining fortlaufend an die Leistung einer Person anpasst. „Wir haben außerdem Menschen mit unterschiedlichen genetischen Veranlagungen für die Entwicklung einer Demenz verglichen und dieselben Ergebnisse gesehen – was bedeutet, dass Kaffee oder Koffein wahrscheinlich für Menschen mit hohem und niedrigem genetischem Risiko, an Demenz zu erkranken, gleichermaßen vorteilhaft ist“, sagte ein Doktorand an der Harvard TH Chan School of Public Health in einer Mitteilung.
Dennoch betonen Experten, dass Gehirntraining kein Allheilmittel ist. „Jeder, der ein Gehirn hat, trägt ein Risiko für Alzheimer, und alle sollten auf ihre Gehirngesundheit achten“, sagte ein Neurologe für Prävention.