10-Jahres-Überleben bei resezierbarem fortgeschrittenem NSCLC unter Chemoradiotherapie oder Operation ähnlich
Die 10-Jahres-Nachbeobachtung der Phase-3-Studie ESPATUE zeigte nach Induktionstherapie ein vergleichbares Gesamt- und progressionsfreies Überleben unter Chemoradiotherapie-Boost und Operation bei resezierbarem fortgeschrittenem NSCLC. Signifikante Unterschiede zwischen den lokalen Behandlungsmodalitäten wurden nicht festgestellt.
Langfristiges Überleben nach Chemoradiotherapie ist bei Patienten mit resezierbarem, fortgeschrittenem nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom nach Induktionstherapie mit dem nach Operation vergleichbar. Das geht aus der 10-Jahres-Nachbeobachtung einer Phase-3-Studie hervor. Bei einer medianen Nachbeobachtungszeit von 145,1 Monaten zeigten sich zwischen den 2 Behandlungsarmen keine signifikanten Unterschiede im Gesamtüberleben; die 10-Jahres-Gesamtüberlebensrate lag unter Chemoradiotherapie-Boost bei 28,3 % gegenüber 29,9 % nach Operation (P = .70). Auch beim progressionsfreien Überleben bestand kein signifikanter Unterschied zwischen den Armen (P = .94).
In die ESPATUE-Studie wurden 246 Patienten mit potenziell resezierbarem NSCLC im Stadium IIA (N2) oder ausgewähltem Stadium IIIB aufgenommen. Geeignete Patienten hatten in den 6 Monaten vor der Diagnose weniger als 10 % Gewichtsverlust und einen Performance-Status der Eastern Cooperative Oncology Group von 0 oder 1.
Die Patienten erhielten eine Induktionschemotherapie mit drei 21-Tage-Zyklen aus cisplatin an den Tagen 1 und 8 sowie paclitaxel an Tag 1. Zusätzlich erfolgte eine neoadjuvante Strahlentherapie mit einer kumulativen Dosis von 45 Gy, verabreicht als 1,5 Gy zweimal täglich, zusammen mit gleichzeitig gegebenem cisplatin und vinorelbine an den Tagen 2 und 9 der Strahlentherapie.
Von diesen Patienten hatten 161 Tumoren, die in der letzten Woche der Strahlentherapie als resezierbar eingestuft wurden, und wurden nach dem Zufallsprinzip entweder einem risikoadaptierten Chemoradiotherapie-Boost (n = 80) oder einer Operation (n = 81) zugeteilt. Der Boost bestand aus fünf Fraktionen zu je 2 Gy pro Woche bis zu einer kumulativen Dosis von 20 bis 26 Gy, ohne Therapiepause nach der neoadjuvanten Strahlentherapie. Während des Boosts wurde gleichzeitig eine Chemotherapie aus cisplatin an Tag 2 und vinorelbine an den Tagen 2 und 9 gegeben.
Eine Analyse konkurrierender Risiken zeigte, dass die kumulative Rate der Todesfälle durch ein zweites Lungenkarzinom nach 10 Jahren zwischen den Behandlungsarmen vergleichbar war: 7,7 % nach Chemoradiotherapie-Boost und 8,3 % nach Operation. Auch die 10-Jahres-Rate kumulativer Todesfälle infolge von Komorbiditätsereignissen war ähnlich und lag bei 10,2 % bzw. 10,0 %. Ebenso gab es keine signifikanten Unterschiede bei der kumulativen Inzidenz therapiebedingter Todesfälle, Todesfälle durch das erste NSCLC und Todesfälle durch ein zweites nicht pulmonales Karzinom.
Die Forschenden schlussfolgerten, dass das Langzeitüberleben als Basisinformation für laufende immuntherapiebasierte Protokolle im Stadium III dient und dass zwischen den lokalen Modalitäten Radiochemotherapie und Operation keine signifikanten Unterschiede beobachtet wurden.