Sanofi entlässt CEO Hudson und ernennt Belén Garijo zur Rettung der Medikamenten-Pipeline

Sanofi ersetzte CEO Paul Hudson durch Belén Garijo von Merck KGaA nach einem ins Stocken geratenen Turnaround. Das Unternehmen steht unter Druck, Medikamente zu entwickeln, die den Blockbuster Dupixent ersetzen, und die US-Impfskepsis zu bewältigen.

Der französische Pharmakonzern Sanofi entließ am 12. Februar 2026 CEO Paul Hudson und beendete damit eine sechsjährige Amtszeit, die von einem ins Stocken geratenen Bemühen geprägt war, Blockbuster-Medikamente mit auslaufenden Patenten zu ersetzen, und von zunehmendem Druck durch die US-amerikanische Anti-Impfstoff-Politik und -Rhetorik. Das Unternehmen ernannte Belén Garijo, die 65-jährige Chefin des deutschen Pharmaunternehmens Merck KGaA, zur neuen Vorstandsvorsitzenden. Sie wird Ende April übernehmen und Sanofis erste weibliche CEO sein.

Hudson, 58, der nur zwei Monate vor der Verlängerung seiner Amtszeit abgesetzt wurde, reagierte nicht auf eine Anfrage zur Stellungnahme. Er hatte in einem Gespräch mit Analysten Ende letzten Monats eingeräumt, dass seine Pläne nicht so schnell vorangekommen waren wie erwartet. „Hätten Sie mich 2020 gefragt, ob ein Turnaround fünf bis sieben Jahre dauern wird, hätte ich definitiv nein gesagt. Wir werden schneller sein, wir sind klüger, wir sind stärker. Das war leider nicht der Fall", sagte er am 29. Januar den Analysten. „Also müssen wir etwas geduldig sein."

Die Sanofi-Aktie fiel am Donnerstag um rund 3,5 %, wobei einige Analysten auf Garijos relativ geringes Profil und ihre gemischte Bilanz bei Merck hinwiesen. Die Aktie von Sanofi war im vergangenen Jahr um 25 % gefallen. „Der CEO-Wechsel bei Sanofi ist ein Zeichen dafür, dass die F&E-Transformation gescheitert ist oder zu langsam vorangeht", sagte ein Portfoliomanager beim Sanofi-Investor Union Investment. „Beléns Priorität bei Sanofi wird es sein, die F&E-Produktivität zu steigern."

Die Entwicklung neuer Medikamente hat sich als Sanofis größtes Problem erwiesen. Dupixent macht über 30 % der Unternehmensumsätze aus, und es wurde noch kein Nachfolgemedikament gefunden, das übernehmen kann, wenn die Patente Anfang der 2030er Jahre auslaufen, was den Aktienkurs von Sanofi belastet hat. „Dupixent zu ersetzen ist die zentrale strategische Herausforderung für Sanofi", sagte ein Partner der Unternehmensberatung Roland Berger und ehemaliger Sanofi-Mitarbeiter bis 2018.

Hudson war mit dem Auftrag eingestellt worden, die Medikamenten-Pipeline und den Aktienkurs des Unternehmens wiederzubeleben – was Sanofi anfänglich Auftrieb gab –, aber er hatte Schwierigkeiten, die Abhängigkeit von Dupixent zu verringern, und der Turnaround geriet ins Stocken. Hudson hatte auch Zukäufe angestrebt, um neue Medikamente zu finden, die das Wachstum vorantreiben sollten, sobald das Blockbuster-Asthmamedikament Dupixent Anfang der 2030er Jahre wichtige Patente verliert. Das Fehlen eines Nachfolgers für Dupixent, das auch zur Behandlung von Ekzemen eingesetzt wird, erhöhte den Druck weiter.

Impfstoffe, die fast ein Fünftel des Umsatzes ausmachen, sind ein weiteres großes Thema, da die Verkäufe in den letzten Jahren zurückgegangen sind. Hudson hatte Schwäche in dem Segment flaggt, die mit einer feindlicheren Haltung der US-Gesundheitsbehörden gegenüber Impfstoffen zusammenhängt. Im Januar sagte Sanofi, dass die Impfstoffverkäufe in diesem Jahr „leicht rückläufig" sein würden, teilweise aufgrund von US-Politikänderungen unter Präsident Donald Trump.

Sanofi, einer der weltweit größten Impfstoffhersteller, veröffentlichte 2025 eine Reihe enttäuschender Studienergebnisse, die einen Schatten auf das Unternehmen warfen und dazu beitrugen, dass die Aktien im vergangenen Jahr um rund 25 % fielen und damit hinter dem europäischen STOXX-Pharmaindex zurückblieben.

Aktionäre haben seit September 2019, als Hudson übernahm, eine Rendite von 33 % auf ihre Investition einschließlich Dividenden erzielt, aber das liegt deutlich unter den britischen Konkurrenten AstraZeneca und GSK, die im gleichen Zeitraum Renditen von 133 % bzw. 65 % erzielten.

Garijo wird Sanofis erste weibliche CEO sein – und die einzige Frau an der Spitze eines großen globalen Pharmakonzerns, nachdem GSKs Emma Walmsley in diesem Jahr zurücktrat. Sie war die erste Frau, die ein deutsches DAX-Unternehmen führte, als sie die Spitzenposition bei Merck KGaA übernahm. Garijo, die seit 2021 an der Spitze von Merck KGaA steht, wurde als mutig, detailorientiert und als jemand beschrieben, der Dinge umsetzt, hatte aber auch eine gemischte Bilanz in der F&E, und der Aktienkurs war während ihrer Amtszeit gefallen.

Als Leiterin von Mercks Pharmageschäft steuerte Garijo die Lieferkette des Konzerns durch die COVID-19-Pandemie. Sie beaufsichtigte Transaktionen, darunter den 3,9 Milliarden US-Dollar schweren Kauf von SpringWorks Therapeutics im vergangenen Jahr. Allerdings erlitt Merck KGaA während ihrer Amtszeit Rückschläge in der Medikamentenentwicklung und nur drei neue Medikamente schafften es auf den Markt.

Ein Portfoliomanager beim Sanofi-Investor Union Investment lobte Garijos Umgang mit einem komplexen Unternehmen – Merck hat Geschäftsbereiche von Gesundheit bis Technologie – und einen Preisdeal, der im vergangenen Jahr mit US-Präsident Donald Trump abgeschlossen wurde, sagte aber, sie müsse sich nach mehreren F&E-Misserfolgen bei Merck steigern. „Sie muss ihre F&E-Bilanz verbessern."

Ein Investor, der mit Garijo zusammenarbeitete und nicht namentlich genannt werden wollte, sagte, die „sichtbaren Dinge" – F&E und Geschäftsentwicklung – seien nicht gut gelaufen, fügte aber hinzu, dass sie die Struktur von Merck intern verbessert und die Margen des Unternehmens geschützt habe. Ein Managing Partner einer Londoner Life-Sciences-Investmentfirma sagte, dass Garijo ein Unternehmen, das „in Regeln und Hierarchie feststeckte", in eine viel mutigere und effektivere Organisation verwandelt habe. „Sie hat Führungskräfte herausgefordert, den Mut zu haben, zu ihren Entscheidungen zu stehen und die Dinge tatsächlich umzusetzen", sagte der Managing Partner, der während eines Teils von Garijos Amtszeit M-Ventures leitete, den Corporate-Venture-Fonds von Merck KGaA.

Ein zweiter Investor, der mit Garijo zusammenarbeitete, sagte, sie sei voller Energie, dynamisch und „auf dem Laufenden" und habe auch tiefes Wissen über Sanofi. „Sie kennt das Haus, unterschätzen Sie die Bedeutung dessen nicht", sagte die Person, die ebenfalls nicht namentlich genannt werden wollte.

Sanofi erklärte, Garijo, die jahrelang bis 2011 für das französische Unternehmen gearbeitet hatte, werde „mehr Konsequenz in die Umsetzung" der Unternehmensstrategie einbringen. Garijo reagierte nicht sofort auf Anfragen zur Stellungnahme. Garijo arbeitete zuvor 15 Jahre bei Sanofi und war Vorstandsmitglied beim französischen Kosmetikkonzern L'Oréal.

Als Fachärztin für klinische Pharmakologie begann Garijo ihre Karriere als Ärztin am La Paz-Krankenhaus in Madrid und ist für ihre operative Umsetzungskraft und Detailgenauigkeit bekannt. Garijo hat „mehr Erfahrung im operativen Bereich als einen wissenschaftlichen Hintergrund, daher wird es interessant sein zu sehen, wie sie die F&E-Abteilung bei Sanofi beleben kann", sagte der CEO von Global Health Invest, einem dänischen Healthcare-Investmentfonds, der Sanofi-Aktien hält.

Einige Analysten und Investoren sagten, Garijo sei nicht auf dem Radar vieler gewesen, was den Markt leicht überraschte – und sie spekulierten, wie lange sie in ihrem neuen Posten bleiben würde. „Ich denke, sie ist eine Übergangs-CEO. Was sie gut kann: Sie kann eine Organisation unter Druck setzen", sagte ein Berater. „Sie ist nicht dafür da, für immer zu bleiben."

Sanofi erklärte in einer Stellungnahme, dass Hudson zum 17. Februar zurücktreten werde, während Garijo die Rolle nach der Hauptversammlung des Konzerns am 29. April übernehmen werde. Sanofi-Vorstandsmitglied Olivier Charmeil wird während der Übergangsphase als Interims-CEO fungieren. „Sie hat die Erfahrung und das Profil, um das Tempo zu beschleunigen, die Qualität der Strategieumsetzung zu stärken und den nächsten Wachstumszyklus des Unternehmens zu leiten", sagte der Sanofi-Vorsitzende in einer Stellungnahme.

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References

  1. Sanofi's new CEO needs to fix drug pipeline and navigate Trump - ET Pharma · pharma.economictimes.indiatimes.com
  2. R&D slowdown combined with the Trump variable presents dual challenges for Sanofi's new ... · news.futunn.com
  3. Analysis-Sanofi's New CEO Needs to Fix Drug Pipeline and Navigate Trump · money.usnews.com
  4. Sanofi's new CEO needs to fix drug pipeline and navigate Trump | Reuters · www.reuters.com
  5. Analysis-Sanofi's new CEO needs to fix drug pipeline and navigate Trump By Reuters · www.investing.com
  6. Sanofi ousts CEO Hudson after stalled turnaround at vaccine giant | The Mighty 790 KFGO · kfgo.com