Studie bringt Psychedelika mit verringerter visueller Reizverarbeitung und stärker erinnerungsgesteuerter Wahrnehmung in Verbindung
Wissenschaftler berichteten, dass Psychedelika die visuelle Verarbeitung dämpfen und mit dem Erinnerungsabruf verbundene 5-Hz-Hirnwellen verstärken. Echtzeit-Bildgebung bei Mäusen zeigte, dass sich die Wahrnehmung von externen Reizen hin zu intern gespeicherten Bildern verschiebt.
Psychedelische Substanzen wirken auf das Gehirn, indem sie an Serotoninrezeptoren binden, und Wissenschaftler berichteten, dass Psychedelika besonders stark vom 2A-Rezeptor angezogen werden, der nicht nur das Lernen beeinflusst, sondern auch die Aktivität in jenen Teilen des Gehirns dämpft, die für die Verarbeitung visueller Informationen verantwortlich sind. Forschende erklärten, Psychedelika könnten das System der visuellen Eingangssignale des Gehirns beruhigen und es dazu bringen, fehlende Details durch lebhafte Fragmente aus dem Gedächtnis zu ersetzen, wobei langsame, rhythmische Hirnwellen helfen, die Wahrnehmung von der Außenwelt weg und hin zu innerem Erinnern zu verschieben.
„Wir haben in früheren Studien beobachtet, dass visuelle Prozesse im Gehirn durch diesen Rezeptor unterdrückt werden“, heißt es in der Studie. „Das bedeutet, dass visuelle Informationen über Dinge, die in der Außenwelt geschehen, für unser Bewusstsein weniger zugänglich werden. Um diese Lücke im Puzzle zu füllen, fügt unser Gehirn Fragmente aus dem Gedächtnis ein -- es halluziniert.“ Mit anderen Worten: Wenn eingehende visuelle Signale reduziert sind, gleicht das Gehirn dies aus, indem es gespeicherte Bilder und Erfahrungen aus dem Gedächtnis abruft, und diese intern erzeugten Fragmente können mit der Wahrnehmung verschmelzen und Halluzinationen hervorrufen.
Die Forschenden erklärten, dass Psychedelika rhythmische Muster der Hirnaktivität, sogenannte Oszillationen, in visuellen Regionen verstärken. Nach der Verabreichung von Psychedelika beobachtete das Team einen Anstieg niederfrequenter (5-Hz) Wellen in visuellen Arealen. Diese langsameren Wellen stimulierten den retrosplenialen Kortex, ein zentrales Schaltzentrum für den Zugriff auf gespeicherte Erinnerungen, und mit der Verstärkung dieser Kommunikation wird das Bewusstsein für aktuelle äußere Ereignisse schwächer, während sich die Wahrnehmung stärker auf abgerufene Informationen stützt.
Um diese Veränderungen zu erfassen, nutzten die Wissenschaftler eine fortschrittliche optische Bildgebungstechnik, die neuronale Aktivität über die gesamte Oberfläche des Gehirns in Echtzeit verfolgt. Die Experimente stützten sich auf speziell entwickelte Mäuse, die so konstruiert wurden, dass sie in bestimmten Typen von Gehirnzellen fluoreszierende Proteine produzieren. Die Forschenden erklärten, die gemessenen Fluoreszenzsignale stammten von Pyramidenzellen der kortikalen Schichten 2/3 und 5, die die Kommunikation innerhalb von und zwischen Hirnregionen vermitteln.
Die Ergebnisse könnten auch dazu beitragen, die psychedelika-gestützte Therapie weiter zu verfeinern. Forschende erklärten, dass diese Substanzen unter medizinischer Aufsicht die Hirnaktivität vorübergehend so verschieben können, dass der Abruf positiver Erinnerungen gefördert und tief verankerte negative Denkmuster abgeschwächt werden. Die Studie wurde in Communications Biology unter dem Titel „Psychedelic 5-HT2A agonist increases spontaneous and evoked 5-Hz oscillations in visual and retrosplenial cortex“ veröffentlicht.