Neue Krebsforschung macht Hoffnung bei Blutkrebs, Prostatakrebs und Eierstockkrebs
Aktuelle Studien berichten über hohe Komplettremissionsraten mit dem Antikörper-Wirkstoff-Konjugat pivekimab sunirine bei BPDCN, bessere Ergebnisse durch metastasenorientierte Strahlentherapie beim oligometastasierten Prostatakarzinom sowie eine neue Kombinationsstrategie bei therapieresistentem Ovarialkarzinom. Weitere Arbeiten identifizieren sEcad als potenziellen Treiber von Hirnmetastasen beim inflammatorischen Mammakarzinom und zeigen Präferenzen von US-Frauen beim Screening auf Gebärmutterhalskrebs.
Fünfundsiebzig Prozent der Patientinnen und Patienten mit blastic plasmacytoid dendritic cell neoplasm (BPDCN), die mit dem Antikörper-Wirkstoff-Konjugat pivekimab sunirine (PVEK) behandelt wurden, erreichten laut neuen Daten aus der multizentrischen internationalen Phase-I/II-Studie CADENZA eine Komplettremission. Die Studienergebnisse geben BPDCN-Betroffenen mit begrenzten Therapieoptionen Hoffnung, und die positiven Resultate sprechen dafür, PVEK als potenziellen Standard in der Behandlung von BPDCN in Betracht zu ziehen.
Eine metastasenorientierte Therapie (metastasis-directed therapy, MDT) verbesserte die Behandlungsergebnisse bei Patientinnen und Patienten mit oligometastasiertem Prostatakarzinom signifikant, wie eine erstmals durchgeführte Metaanalyse zeigt, die die Ergänzung einer metastasenorientierten Strahlentherapie zur Standardbehandlung untersuchte. Evidenz der höchsten Stufe für den Nutzen der MDT bei dieser Krebsart zu gewinnen, war aus mehreren Gründen schwierig. Am wichtigsten ist, dass nur eine kleine Zahl von Patientinnen und Patienten oligometastatisch erkrankt ist – das heißt, es liegen mehrere Metastasen vor, jedoch nicht in einem Ausmaß, das als weit metastasiert gilt – sowie die vergleichsweise indolente Natur der oligometastatischen Erkrankung. Durch die Zusammenführung aller verfügbaren Patientendaten aus randomisierten klinischen Studien lieferte die Metaanalyse Evidenz dafür, dass MDT die Ergebnisse für Patientinnen und Patienten verbessert.
Eine neue Studie in Science Translational Medicine legt nahe, dass Eierstockkrebszellen nach einer Behandlung mit PARP-Inhibitoren rasch eine Überlebensantwort aktivieren – und dass das Blockieren dieser frühen Reaktion diese Wirkstoffklasse wirksamer machen könnte. PARP-Inhibitoren sind eine gängige Therapie beim Ovarialkarzinom und können insbesondere bei Tumoren mit gestörter DNA-Reparatur besonders effektiv sein. Viele Tumoren sprechen jedoch irgendwann nicht mehr an, selbst wenn die Medikamente initial Wirkung zeigen.
Die Forschenden fanden heraus, dass Ovarialkarzinomzellen nach Exposition gegenüber PARP-Inhibitoren schnell ein pro-survivales Programm aktivieren. Ein zentraler Treiber dieser Reaktion ist FRA1, ein Transkriptionsfaktor, der Gene anschaltet, die Krebszellen helfen, sich anzupassen und dem Zelltod zu entgehen. Das Team prüfte, ob brigatinib – ein von der FDA zugelassenes Arzneimittel, das derzeit zur Behandlung bestimmter Lungenkarzinome eingesetzt wird – diese Überlebensantwort blockieren und die Effekte von PARP-Inhibitoren verstärken kann. Brigatinib wurde ausgewählt, weil es mehrere Signalwege hemmen kann, die am Überleben von Krebszellen beteiligt sind.
Die Ergebnisse zeigten, dass die Kombination von brigatinib mit einem PARP-Inhibitor wirksamer war als jede der beiden Behandlungen allein. Wichtig ist, dass dieser Effekt nur in Krebszellen, nicht jedoch in normalen Zellen beobachtet wurde – ein Hinweis auf das Potenzial eines zielgerichteteren und sichereren Therapieansatzes. Die Forschenden entdeckten zudem, dass brigatinib auf eine völlig neue Weise hilft: Statt über klassische DNA-Reparaturwege zu wirken, schaltet brigatinib zwei zentrale Signalmoleküle ab, FAK und EPHA2, auf die aggressive Ovarialkarzinomzellen zum Überleben angewiesen sind. Die gleichzeitige Blockade beider Signale schwächte die Fähigkeit der Krebszellen, sich anzupassen und der Behandlung zu widerstehen, und machte sie deutlich anfälliger für PARP-Inhibitoren.
Die Forschenden identifizierten außerdem einen möglichen Hinweis darauf, welche Patientinnen am meisten von dieser Behandlung profitieren könnten. Tumoren mit höheren Spiegeln der Signalmoleküle FAK und EPHA2 sprachen besser auf die Medikamentenkombination an. Weitere Daten deuten darauf hin, dass Ovarialkarzinome mit hohen Spiegeln dieser Moleküle häufig aggressiver sind – was das Potenzial dieses Ansatzes gerade für schwerer zu behandelnde Fälle unterstreicht.
In der Brustkrebsforschung identifizierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler einen therapeutisch adressierbaren Treiber von Hirnmetastasen bei Patientinnen mit aggressivem inflammatorischem Mammakarzinom. Die Studie beschreibt eine neuartige Rolle von löslichem E-Cadherin (sEcad) bei der Förderung der Tumorinvasion, während es zugleich den Zelltod von Krebszellen verhindert und über den Signalweg CXCR2 eine Hirnentzündung auslöst. Die Ergebnisse legen nahe, dass eine gezielte Therapie gegen sEcad oder den CXCR2-Signalweg Hirnmetastasen behandeln oder verhindern könnte. Dieser im Blut gut messbare Biomarker spielt eine Schlüsselrolle bei der Entstehung von Hirnmetastasen; das Anvisieren dieses Signalwegs hat ein enormes Potenzial, diese schwerwiegende Komplikation zu behandeln und zu verhindern, und könnte die Entwicklung künftiger Therapien leiten.
Amerikanische Frauen haben inzwischen die Möglichkeit, das Screening auf Gebärmutterhalskrebs zu Hause durchzuführen, mithilfe neu zugelassener Selbstentnahme-Tools. Während Fachleute hoffen, dass dies die Teilnahme in bislang unterversorgten Bevölkerungsgruppen erhöht, zeigte eine in JAMA Network Open veröffentlichte Studie, dass die Mehrheit (60,8%) weiterhin eine Untersuchung in der Praxis durch medizinisches Fachpersonal bevorzugt. Die Studie ergab zudem, dass marginalisierte Bevölkerungsgruppen eher eine Selbstentnahme zu Hause bevorzugten, und dass Frauen mit niedrigem Einkommen sowie Frauen, die dem Gesundheitssystem nicht vertrauen, häufiger unsicher waren, welche Option sie wählen sollten. Von 2.300 screeningberechtigten Frauen bevorzugten nur 20,4% das Screening auf Gebärmutterhalskrebs zu Hause, und 18,8% waren in ihrer Entscheidung unsicher.
Beobachterinnen und Beobachter stellen eine deutliche Beschleunigung bei der Einführung der Analyse zirkulierender Tumor-DNA (circulating tumor DNA, ctDNA) und der Tumorgenomik unter allgemein tätigen Onkologinnen und Onkologen fest. Diese genomischen Erkenntnisse beeinflussen Therapieentscheidungen über verschiedene Tumorentitäten hinweg und reichen inzwischen über traditionelle akademische Zentren hinaus. Es wird erwartet, dass Protokolle auf Grundlage von Befunden wie ESR1- oder PI3K-Mutationen in naher Zukunft erheblich überarbeitet werden. Die Notwendigkeit einer kontinuierlichen Integration neuer Daten gilt gleichermaßen für Ärztinnen und Ärzte in der akademischen wie auch in der wohnortnahen Versorgung, um optimale Behandlungspfade für Patientinnen und Patienten sicherzustellen.