US-Zölle bedrohen offenbar Europas Pharmaproduktion und Forschung
Deutsche und Schweizer Pharmahersteller warnen, dass neue US-Zölle die Produktion und Forschung in Europa gefährden könnten. Branchenverbände sehen Risiken für Arzneimittel-Lieferketten und befürchten eine Verlagerung von Investitionen in die USA.
Pharmahersteller in Deutschland und der Schweiz warnten am Freitag, dass die jüngsten US-Zölle auf Pharmazeutika die Produktion an ihren europäischen Standorten gefährden könnten, wie Branchenvertreter mitteilten. Die US-Regierung wolle Pharmunternehmen dazu bewegen, Aktivitäten in den USA aufzubauen, indem sie einen Aufschlag von 100 % erhebt, während Deutschland und alle anderen EU-Mitgliedstaaten sowie die Schweiz, Japan und Südkorea aufgrund gesonderter Abkommen davon ausgenommen sind und mit Zollsätzen von bis zu 15 % belegt werden.
„Mittelfristig besteht das Risiko, dass Teile der Produktion und Forschung in die USA verlagert werden“, wo regulatorische und finanzielle Anreize attraktiv seien, erklärte der Verband der forschenden Pharma-Unternehmen in Berlin. Der Schweizer Verband Interpharma warnte vor negativen Folgen für Patienten.
Die Pharmaverbände betrachten die neuen Maßnahmen als massiven Eingriff in den Arzneimittelmarkt. Die Zölle „gefährden globale Produktions- und Lieferketten für Arzneimittel, behindern Forschung und Entwicklung und schaden letztlich Patienten weltweit“, warnte Interpharma.
Einzelne Hersteller können Zölle vermeiden, indem sie ihre Investitionen und Produktion in den Vereinigten Staaten erhöhen und dort ihre Preise senken. Unter anderem schlossen die Schweizer Branchengrößen Novartis und Roche im Dezember vor diesem Hintergrund Vereinbarungen mit der US-Regierung.
Angesichts des Drucks aus den USA stünden nun auch Investitionen in Deutschland auf dem Prüfstand, sagte der VFA-Präsident und fügte hinzu, dass es damit umso wichtiger sei, auch in Europa einen bedeutenden Markt zu entwickeln. Er forderte niedrigere Ansiedlungskosten, schnellere Verfahren und Unterstützung für Innovationen.